Kultur : Sinn und Besinnlichkeit

Bewegtes Krippenspiel: „Es begab sich aber zu der Zeit ...“ von Catherine Hardwicke

Juliane Schäuble

Mit Jesus lässt sich Kasse machen. Vor allem in Amerika. In „God’s own country“ beten Präsidenten öffentlich, die Gesellschaft, ob Republikaner oder Demokraten, ist zutiefst religiös: Knapp 80 Prozent bezeichneten sich 2002 in einer Umfrage des „Pew Research Centers“ als Christen, fast die Hälfte davon sind Evangelikale. Diese Protestanten unterschiedlicher Konfession eint, dass sie nur den Wortlaut der Bibel als Glaubensgrundlage anerkennen, an persönliche Beziehungen zu Jesus und Erweckungserlebnisse glauben.

Vom säkularen und liberalen Hollywood fühlten sich die Evangelikalen lange Zeit abgestoßen. Als Reaktion entstand eine eigene Jesus-Industrie, mit Hunderten von Buch- und Musikverlagen, TV- und Radiosendern. Bisheriger Höhepunkt: Mel Gibsons Kinospektakel „Die Passion Christi“ spielte mitsamt DVDs eine Milliarde Dollar ein – und das, obwohl im Film nur Latein und Aramäisch gesprochen wird. Ganze Kirchengemeinden wurden zu Vorführungen gekarrt, die christliche Werbetrommel für das cineastische Passionsspiel lautstark gerührt.

Solcher Erfolg macht (nach-)erfinderisch. So bringt Warner mit „Es begab sich aber zu der Zeit“ nun die Weihnachtsgeschichte ins Kino – derart eng angelehnt an die Evangelien von Lukas und Matthäus, dass auch der Vatikan angetan ist. Gedreht wurde an Bibelfilm-geläufigen Orten: in der Gegend um das italienische Bergdorf Matera, wo Gibson Teile seiner „Passion“ hinverlegte, bei Ouarzazate in Marokko.

Auch „Es begab sich aber zu der Zeit“ wurde von bekennenden Christen produziert, doch mit der Welt bluttriefender Glaubensbekenntnisse à la Gibson hat der Film nichts gemein. Zwar wurden im Vorfeld auch Bekehrungsgeschichten gestreut – etwa, dass die Produzenten Marty Bowen und Wyck Godfrey eigens die Firma „Temple Hill Entertainment“ gründeten, um fortan nur noch sinnvolle Filme zu machen. Doch das Ergebnis ist schlicht eine brav erzählte, herzerwärmende Geschichte, mit berückenden Landschaftsbildern – kein Meisterwerk, aber passend zur Weihnachtszeit. Missioniert wird dadurch wohl niemand, vor den Kopf gestoßen aber ebenso wenig.

Regisseurin Catherine Hardwicke, bislang bekannt durch die Teenager-Dramen „Thirteen“ und „Lords of Dogtown“, lässt den Film mit König Herodes beginnen, der den Kindermord in Bethlehem befiehlt. Danach wird in einer Rückblende erzählt, wie es hätte sein können, als Maria von ihrem Schicksal als künftige Mutter Gottes erfuhr, mit Josef von Nazareth nach Bethlehem reisen musste und dort ihr Kind gebar. Mit der Flucht vor Herodes nach Ägypten endet die Handlung.

Der Film beschränkt sich aber nicht auf die Nacherzählung der bekannten Weihnachtsgeschichte. Im Mittelpunkt steht die schwierige Beziehung von Maria und Josef, die laut Drehbuchautor Mike Rich „zwei ganz normale Menschen“ waren. Es geht um die Probleme, die mit Marias „unbefleckter Empfängnis“ einhergehen, das innere Ringen, bis beide sich mit ihrem Schicksal abfinden. Eine arrangierte Ehe, ein scheinbar gehörnter Verlobter, gesellschaftliche Ausgrenzung – alles zutiefst menschliche und universale Themen.

Auf Stars wurde weitgehend verzichtet – nur die erst 16-jährige Australierin Keisha Castle-Hughes (Maria) ist durch ihre Oscar-Nominierung in „Whale Rider“ bekannt geworden. Anders der Josef-Darsteller Oscar Isaac sowie Marias Eltern Hiam Abbass und Shaun Toub, die ihre Rollen ganz ohne Pathos spielen. Besonders Josef wirkt in seinem seelischen Zwiespalt überzeugend.

Wenig originell dagegen sind die an Überirdisches gemahnenden Passagen geraten. Besonders die Krippenszene: Mit Hirten, den drei Weisen, Esel und Schafen sowie einer in gleißendes Licht getauchten Maria werden die Erwartungen eines Massenpublikums bloß punktgenau illustriert. Dazu kommt eine akustische Jubelsoße, die in eine „Stille Nacht“-Variation mündet. Der christliche Geschmack scheint indes getroffen: Bei der ersten Filmpremiere, die jemals im Vatikan stattfand, applaudierten die Zuschauer, als das Jesuskind geboren war.

In elf Berliner Kinos

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