Kultur : Sirenengesang

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ALL THAT JAZZ

Christian Broecking über

ein Wunder, das ins Geld geht

Wenn man sich jetzt nur noch eine CD aus diesem Jahr wünschen dürfte, fiele die Entscheidung nicht leicht. Trotz William Parkers „Scrapbook“ (Thirsty Ear Records), Archie Shepps „Attica Blues“ (Impulse), Joe Lovanos „On this day“ (Blue Note) und, na klar, E.S.T.’s „Seven Days of Falling“ (Act) war 2003 ein Jahr der Sängerinnen (siehe folgende Seite). Für den Blue-Note-Manager Tom Evered bleibt der Erfolg von Norah Jones, der die Jazzfirma vor dem Aus bewahrte, dennoch ein Rätsel, ja, Wunder. Man könne so etwas nicht planen, sagte er jetzt der amerikanischen Zeitschrift „Jazz Times“. Deren Titelgeschichte wollte wissen: „Retten Sängerinnen die Jazzindustrie?“. Verve- Chef Ron Goldstein bejahte die Frage ganz ausdrücklich. Und auch die Billboard-Verkaufscharts sprechen eine deutliche Sprache: Unter den Top 10 der meistverkauften Mainstream-Jazzplatten gab es im Jahr 2002 neun Gesangs-CDs, die einzige Instrumental-CD in dieser Liste war ein Re-Issue von John Coltrane. Evered gesteht denn auch, dass es Blue Note bei der aktuellen Instrumental-CD von Terence Blanchard überhaupt nicht gelungen sei, an den Verkaufserfolg ihrer gesangsorientierten Vorläuferin „Let´s get Lost“ mit Gastauftritten von Diana Krall, Jane Monheit, Dianne Reeves und Cassandra Wilson anzuknüpfen. Zu den Vocal-CD-Highlights dieses Jahres gehört auch die von Arif Martin produzierte Dianne Reeves mit „A little Moonlight“ (Blue Note), die gerade für einen Grammy nominiert wurde. Reeves wird am 30. und 31. Dezember unter Leitung von Sir Simon Rattle in der Berliner Philharmonie singen.

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