Kultur : Sittenwächter

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SOTTO VOCE

Jörg Königsdorf über

eine schwere Entscheidung

Das Jahresende zwingt den Konzertbesucher zum Bekenntnis: Will er zu denen gehören, die es ernst meinen mit der Hochkultur und auf die seelen und sittenbildende Kraft der Klassischen Musik setzen? Oder gehört er zu denen, die unter dem Klassik-Etikett lieber festlich melodiöse Unterhaltung konsumieren? Eine Daseinsfrage, die sich zu Silvester in zwei Alternativen konkretisiert, nämlich: Beethovens Neunte oder „Blaue Donau" ? Wobei der Weltlieblingswalzer hier für das ganze leichtere Genre steht. Will man in Dreivierteltaktlaune ins neue Jahr wirbeln oder sich mit „Alle Menschen werden Brüder" vornehmen, endlich ein besserer Mitmensch zu werden? Beides hat Tradition, und beides wird in allen Preislagen und Qualitäten angeboten. Für das Beethovensche Götterfunken-Feuerwerk sorgen Marek Janowski mit dem RSB (Konzerthaus, 30./31. 12.) und Daniel Barenboim mit seiner Staatskapelle (31.12./1.1.), die zweite Alternative wird dagegen in unzähligen Versionen angeboten. Umso mehr sticht das Programm des BSO aus diesen traditionsorientierten Angebot heraus: Dessen Chef Eliahu Inbal widmet sein Silvester-/Neujahrskonzert im Konzerthaus dem wichtigsten Klassik-Jubilar: dem 1803 geborenen Hector Berlioz. Zum Auftakt des Berlioz-Jahres gibt es dessen Superhit, die „Symphonie fantastique", nebst deren unbekannterer Fortsetzung „Lelio".

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