Kultur : Skalpell, Skalpell!

Jörg Königdorf

übt sich im ganz langsamen Hören Dürer! Leonardo! Raffael! – wenn nach Malern der Renaissance gefragt wird, purzeln die Namen meist gleich reihenweise. Gilt es dagegen, auch nur einen einzigen Komponisten aus dieser Zeit zu nennen, kommen selbst Bildungsbürger ins Schwitzen: Josquin, Ockeghem & Co. sind nach wie vor ein Fall für Spezialisten, eine Splittergruppe des Konzertbetriebs. Um das zu ändern, hat der Berliner Radio-Kritiker Clemens Goldberg vor gut einem Jahr eine Stiftung ins Leben gerufen. Unter dem Schlagwort Slow listening soll ein Konzerttyp etabliert werden, der die Vokalpolyphonie der Renaissance in ihrer Vielfältigkeit wieder verständlich macht, zum Beispiel dadurch, dass dem Publikum die Texte der gesungenen Stücke erklärt werden. Für das erste „Slow Listening“-Event hat sich der Stifter mit dem Leipziger Ensemble Amarcord nicht nur eine der derzeit international gefragtesten A-cappellaFormationen ins Boot geholt, sondern sich außerdem einen Ort ausgesucht, an dem schon viel auseinander genommen wurde: Das Konzert mit Ausschnitten aus der Ockeghem-Messe „De plus en plus“ findet heute um 17 Uhr im historischen Friedrich-Kopsch-Hörsaal der Charité statt (Eingang Luisenstr. 56).

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