Kultur : Skulptur statt Haus

Eine Schau in Frankfurt zeigt prämierte Bauten

Christian Huther

Es geht nur um Ruhm und Ehre beim neuen DAM-Preis für Architektur in Deutschland. Das Deutsche Architekturmuseum in Frankfurt am Main (DAM) kann sich keinen dotierten Preis leisten. Dennoch will es den Blick stärker auf herausragende Architektur in Deutschland lenken, damit auch weniger bekannte oder nur regional tätige Baumeister bekannter werden. So besteht der Preis nur aus einer Miniatur des Hauses im Haus, das einst Oswald Mathias Ungers in den Altbau am Main gestellt hat. Dafür wird der Preis künftig jährlich verliehen.

Bereits beim ersten Mal wählte die Jury mehr als 90 Projekte aus, die seit Ende 2005 entstanden sind. Nun werden 20 Arbeiten in einer Ausstellung präsentiert, darunter auch renommierte Architekten wie Stephan Braunfels mit seinen Neubauten für die Ulmer Altstadt, Norman Foster mit dem Umbau des Dresdner Hauptbahnhofes oder Christoph Mäckler mit dem Frankfurter Portikus. Doch spannender sind die Projekte, die sich an existierenden Bauten reiben. Etwa die denkmalgeschützte Ruine eines Schlosses bei Stuttgart: Ingo Bucher-Beholz setzte über die bröckelnden Mauern zwei spiegelsymmetrische Wohnboxen, die dank schmaler Stahlstützen zu schweben scheinen. Diese Symbiose von Alt und Neu ist eine Alternative zur diskutierten Rekonstruktion von Altstädten.

Gewinner des diesjährigen Preises ist das Saarbrücker Büro Wandel-Hoefer-Lorch, das sich vom Frankfurter Nikolaus Hirsch assistieren ließ. Im Hunsrück errichteten sie ein kristallines Gebilde, das mehr Skulptur als Haus ist. Beim ersten Blick denkt man an ein flügelloses und verbeultes Flugzeug. Der braun-violette Bau aus Cortenstahl passt sich in die hügelige Landschaft ein. Es ist aber ein Geschichtscontainer. Denn das Dokumentationshaus Hinzert, benannt nach dem nahen Dorf, erinnert an ein NS-„Arbeitserziehungslager“, eines von 90 zwischen Fulda, Zweibrücken und Mannheim. In Hinzert wurden mehr als 13 000 Menschen eingesperrt und mindestens 321 Häftlinge getötet. Von der Geschichte des Ortes erzählen Texte und Bilder, gedruckt auf die Wände des Ausstellungsraumes. Christian Huther

Deutsches Architekturmuseum, Frankfurt/Main, Schaumainkai 43, bis 17. Februar. Jahrbuch 24,95 €.

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