Kultur : Skulptur und Raum

Deutscher Pavillon 2007: Isa Genzken auf Biennale

Nicola Kuhn

Schon bei der Berufung des Ausstellungsmachers Nicolaus Schafhausen zum Kurator des Deutschen Pavillons auf der Biennale di Venezia im kommenden Jahr war so manchem klar, dass damit auch die Bildhauerin Isa Genzken im Rennen war, mit der er seit vielen Jahren zusammenarbeitet. Der 41-jährige Direktor des Rotterdamer Witte de With Kunstzentrums und gleichzeitige Leiter der noch zu gründenden European Kunsthalle in Köln hat nun seine Wahl offiziell gemacht: Die 57-jährige Künstlerin mit Wohnsitz Berlin wird tatsächlich beim – neben der Documenta – wichtigsten Kunstereignis im Sommer 2007 den Pavillon der Bundesrepublik gestalten.

Schafhausens Entscheidung, nachdem er selbst als einer profiliertesten jüngeren Ausstellungsmacher viel Vorschusslorbeeren empfangen hatte, findet ebenfalls breite Zustimmung. Denn Isa Genzken gehört zu den wichtigsten Künstlerinnen ihrer Generation, hat aber trotz zahlreicher Ausstellungen – die Kunsthalle Kiel zeigt noch bis zum 17. September eine Werkschau – und vieler Preise nie die große Anerkennung erfahren, die ihr eigentlich gebührt. Die ehemalige Frau des Malers Gerhard Richter zeigt ein eher sperriges Werk, das mehr bei Künstlerkollegen als beim großen Publikum Resonanz findet. Mit ihren Arbeiten, etwa Betongüssen auf hochbeinigen Stahlpodesten, untersucht sie immer wieder das Verhältnis von Skulptur zum Raum. So ist zu erwarten, dass sie auch auf die Architektur des deutschen Pavillons eingehen wird, die von einem NS-Architekten stammt und noch heute in ihrem Giebel die Bezeichnung „Germania“ trägt.

Die Wahl Isa Genzkens ist auch deshalb interessant, weil sie nicht einem modischen Malerei-Trend und der weiteren Etablierung eines Jungstars Folge leistet, wie es die Tendenzen des Kunstbetriebs erwarten lassen würden. „Ihre Arbeiten unterscheiden sich von denen der One-Trick-Ponys, diesen Künstlern, die nur eine Idee haben und diese dann im Laufe der Jahre endlos wiederholen, variieren,“ begründete Schafhausen seine Entscheidung für die aus Bad Oldesloe stammende Künstlerin, die in Hamburg und Berlin studiert hatte und dann Gerhard Richter an der Düsseldorfer Kunstakademie begegnet war. Tatsächlich lässt sie sich auf kein Medium festlegen, verwendet ebenso Film und Foto und nutzt für ihre teilweise raumfüllenden Skulpturen auch Alltagsmaterial. Anfang September trifft sie für Venedig ihre Entscheidung; das Publikum muss noch zehn Monate warten.

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