Sleaford Mods live in Berlin : Hasspackung

Das britische Elektro-Punk-Duo Sleaford Mods gab ein Knaller-Konzert im ausverkaufen Kreuzberger SO36.

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Jason Williamson und Andrew Fearn sind die Sleaford Mods aus Nottingham.
Jason Williamson und Andrew Fearn sind die Sleaford Mods aus Nottingham.Foto: Harbinger Sound

„Anger is an energy“ heißt die kürzlich erschienene Autobiografie von John Lyndon alias Johnny Rotten. Wie mitreißend und lebensverändernd diese Energie sein kann, hat der Sänger mit den Sex Pistols und PIL bewiesen. Getrieben von derselben Wutkraft ist sein Bruder im Geiste Jason Williamson von den Sleaford Mods aus Nottingham. Denn Gründe in England wütend und zynisch zu sein, gibt es noch genug. Sparpolitik, Perspektivlosigkeit, Prekarisierung – man könnte heulen oder schreien. Jason Williamson hat sich fürs Schreien entschieden und damit zumindest die eigene Miesere beendet. Mistjobs, erfolglose Bandprojekte, Geld- und Drogenprobleme bestimmten den Lebensweg des 44-Jährigen, bis er Andrew Fearn zum Sleaford Mods-Mitglied machte.
Fearn ist für den minimalistischen Scheppersound des Duos zuständig. Im ausverkauften SO36 kommt der dürre Schlaks als Erster auf die Bühne, stellt einen alten Laptop auf ein paar Bierkisten. Klick und es rappelt los. Mit einer Bierflasche in der Hand tritt Fearn zurück und bewegt sich ein bisschen im Takt. Sein Job ist erledigt, die Performance ist allein Sache von Williamson. Ganz in schwarz gekleidet postiert er sich leicht seitlich vor dem Mikrofon, so dass das Publikum ihn die meiste Zeit im Profil sieht.

Reduzierter Scheppersound plus Schipftiraden

Mit geschlossenen Augen beginnt er seine von Flüchen und Schimpfwörtern geprägte Hass-Litanei gegen alles und jeden. Halb sprechsingend, halb grölsingend haut er die Zeilen heraus, wobei sein Midlands-Akzent ihnen zusätzliche Härte verleiht. Reime gibt es selten, dafür werden die zentralen Botschaften („Smash the windows!“) wiederholt. Manchmal erinnert er an Mark E Smith von The Fall.

Knallersongs wie „Tied Up in Nottz“ oder „A Little Ditty“ vom Album „Divide And Exit“, das das Duo auch hierzulande bekannt gemacht hat, werden von der Menge enthusiastisch begrüßt und mitskandiert. Der vordere Saalteil ist ohnehin ab der zehnten Minute ein Mosh-Pit. Die Sleaford Mods, streuen in ihr einstündiges Set einige Songs von ihrem im Juli erscheinenden Album „Key Markets“, auf dem sie ihrem reduzierten Konzept offenbar treu bleiben. Ein treibender Drumbeat, ein grollender Bass, keine Gitarren dazu Williamsons Ausbrüche. Einmal richtet sich dessen Zorn an diesem Abend auch gegen seine Fans: Sie sollen ihre Zigaretten ausmachen, fordert er. Schließlich habe er wichtige Konzerte zu geben. Ein Punk mit Arbeitsmoral.

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