Kultur : Slobodan Milosevic: Harold Pinter fordert: Freiheit für den Ex-Diktator

Ein "Internationales Komitee zur Verteidigung von Slobodan Milosevic" hat prominente Unterstützung erhalten. Zu den Verteidigern des wegen Völkermords angeklagten Ex-Diktators zählt nun auch der britische Dramatiker Harold Pinter. Das Komitee, dem neben dem kanadischen Staranwalt Christopher Black auch der frühere amerikanische Justizminister Ramsey Clark angehört, sammelt Unterschriften zu einem Aufruf, der die Befreiung des "gekidnappten" jugoslawischen Ex-Präsidenten verlangt. Wie andere Intellektuelle hatte Pinter bereits 1999 das Nato-Bombardement gegen Jugoslawien als Bruch des Völkerrechts kritisiert. Dennoch überrascht das Eintreten des weltberühmten Theater- und Filmautors für Milosevic, da Pinter in seinen vielgespielten Kurzstücken "One for the Road" ("Noch einen letzten") und "Mountain Language" ("Bergsprache") totalitäre Herrschaft, staatliche Gewalt und die Unterdrückung von Minderheiten auf subtile Weise angeprangert hatte. Die Komitee-Mitglieder stellen die Rechtmäßigkeit internationaler Jurisdiktion in Frage und zweifeln an der Legitimität der Belgrader Entscheidung, Milosevic dem Den Haager Tribunal zu überstellen. Mitunterzeichner Christopher Black, der Milosevi¿c in Den Haag aufsuchte, hatte früher unter anderem die saudi-arabischen Bombenleger verteidigt, deren Attentat auf die US-Botschaft in Nairobi 150 Menschen zum Opfer fielen und über 1000 verletzte. Ramsey Clark vertrat als Anwalt bereits Radovan Karadzi¿c bei einer in New York anhängigen Klage bosnischer Vergewaltigungsopfer. Pinter, der diese Woche in New York in seinem Stück "Mountain Language" selbest auftritt, wollte sich auf Anfrage des Tagesspiegels zu seinem Engagement für Milosevic nicht weitergehend äußern: "Ich stehe zu dem Text, den ich unterzeichnet habe", erklärte er lediglich.

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