Snøffeltøffs : Spaßvögel vom Rand

Schlicht und schlau: Das Garagenrock-Duo Snøffeltøffs aus Frohnau pflegt eine tiefe Liebe zum Sound der Sixties. Ein Treffen.

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Florian und Julian aus Frohnau sind zusammen Snøffeltøffs.
Florian und Julian aus Frohnau sind zusammen Snøffeltøffs.Foto: Jan Kapitän

Nein, es würde ihnen überhaupt nichts ausmachen, wenn man sie „die Modern Talking der Berliner Garagenrockszene“ nennen würden. Julian und Florian, die Wert darauf legen, dass ihre Nachnamen nicht in der Zeitung auftauchen, haben Humor genug, um den Vergleich mit den Achtziger-Jahre-Poppern auszuhalten, und besonders Florian kann gut damit leben, wenn man ihm mit seinen langen schwarz gefärbten Haaren eine entfernte Ähnlichkeit mit Modern-Talking-Sänger Thomas Anders attestiert.

Dass man überhaupt auf Modern Talking kommt bei Florian und Julian, die kürzlich unter dem Namen Snøffeltøffs ihr Debütalbum „Hokus Pokus“ veröffentlicht haben, liegt daran, dass die beiden selbst die verblichene Band des Grauens ins Spiel bringen. Und das obwohl Snøffeltøffs Musik eher Bezüge zu Sixties-Garagenpunk und Beat aufweist, außerdem Ähnlichkeiten zu Neo-Garagenbands von den Black Lips bis hin zu den Black Keys. Julian sagt: „Die Leute wollen nunmal immer bestimmte musikalische Referenzen zu unserer Musik herstellen und damit haben wir auch überhaupt kein Problem, auch wenn es manchmal ganz schön durcheinander geht und alles Mögliche von Bluegrass bis Grunge genannt wird.“ Aber dann fügt er hinzu: „Wenn wir auf Tour sind, läuft immer auch ganz andere Musik bei uns im Auto. Etwa Haftbefehl, Paolo Conte oder Modern Talking.“ Und wenn man dann etwas verstört nachfragt, sagt er: „Wegen den Songstrukturen bei Modern Talking. Die sind immer gleich, dadurch lässt sich etwas über den Aufbau von Popsongs lernen.“

Auf Snøffeltøffs Debütalbum "Hokus Pokus" spielt Julian Gitarre, Florian Drum und Bass

Ach so. Wie die Snøffeltøffs funktionieren, veschreibt Julian folgendermaßen: „Wir nehmen, was wir mögen, und stopfen es in unser System rein.“ Die erwiesene Schlichtheit im Schaffen von Modern Talking haben sie zumindest ansatzweise adaptiert. Denn auch die Snøffeltøffs sind nur zu zweit, wodurch sie in den musikalischen Ausdrucksmöglichkeiten einigermaßen limitiert sind. Besonders weil sie im Studio nicht viel anders klingen möchten als auf der Konzertbühne. Julian singt und spielt Gitarre, Florian begleitet ihn auf Schlagzeug und Bass. Ob es Florian hinbekommt, beides gleichzeitig zu spielen, kann man beim Konzert am Mittwoch im Kaffee Burger überprüfen.

Live-Erfahrung haben die Snøffeltøffs schon jede Menge – und zwar nicht nur von Berlin bis zum Bodensee, sondern so richtig auf Europatournee, in Italien und Frankreich. „Die Läden, in denen wir gespielt haben, waren in der Regel schon eher klein“, sagt Florian. „Aber wir hoffen durch die Auftritte auf den nächsten Schritt. Darauf, dass man bald nicht mehr in Läden für vierzig Leute spielt sondern für hundert.“

Dass die junge Berliner Band mit ihrer Platte „Hokus Pokus“ auffällt, liegt auch daran, dass ein Sound wie der ihre ansonsten kaum aus Berlin kommt. In der Hauptstadt ist man DJ oder macht als Band etwas mit Beats und Synthesizern, aber so gut wie nie Garagenrock. Es gibt keine Berliner Band, die ernsthaft eine Vorbildfunktion für die Snøffeltøffs gehabt haben könnte.

Anfangs tingelten die beiden als DJ-Team herum

„Es existieren vielleicht zehn gute Garagenrockbands in Berlin“, sagt Florian denn auch und fügt hinzu, dass die Szene wirklich überschaubar klein sei und sich auf Läden wie den wiedereröffneten „Bang Bang Club“ in Kreuzberg und die 8MM- Bar im Prenzlauer Berg verteilen würde. Wobei, so ergänzt Florian, es die Gragagenrockinteressierten aus Kreuzberg im Normalfall nicht einmal in den Prenzlauer Berg schaffen würden und umgekehrt.

Vielleicht ist es da fast schon bezeichnend, dass sich die Snøffeltøffs eben nicht als Hipsterprojekt in einem der angesagten Berliner Kieze entworfen haben, sondern eine Band vom Rand sind – aus Frohnau. Dort, wo auch Farin Urlaub von den Ärzten herkommt, sind Florian und Julian zur Schule gegangen. Inzwischen kennen sie sich bereits seit zwölf Jahren, was bei den 25 Jahren von Julian und den 24 von Florian immerhin ihr halbes Leben ausmacht.

Trotz ihrer Jugend haben die beiden schon einiges hinter sich. Julian erzählt, dass er in einer großen Band gespielt hat, deren Namen er aber nicht verraten will. Und er war bei Chuckamuck dabei, die unter dem Stichwort „Neo-Garagenpunkband aus Berlin“ in den letzten Jahren vorne mitgespielt haben. Auch Florian war schon vor der Gründung der Snøffeltøffs in ein paar Bands, von denen jedoch keine über die Grenzen von Frohnau hinaus bekannt geworden ist.

Wichtig für den erstaunlich konzentrierten Neo-Sixties- Sound, der auf „Hokus Pokus“ zu hören ist und der auch deswegen so unerwartet klingt, weil er von diesen zwei Spaßvögeln erschaffen wurde, ist ganz offensichtlich das intensive Hören von Musik und die dabei entwickelte Leidenschaft für den Garagenrock von uralten Bands wie den Sonics oder den Seeds. Die beiden Jungs waren irgendwann so begeistert von diesem Sound, dass sie, noch bevor sie vor zweieinhalb Jahren dann die Snøffeltøffs gründeten, erst einmal als DJ-Team herumtingelten.

„Wir waren die Jungen, die von den Alten in der Szene – von denen, mit den Single-Erstpressungen – immer belächelt wurden“, erzählt Julian. „Dabei wurde bei uns getanzt und bei den Alten, die irgendeinen Frickelsound, den sie auf obskuren B-Seiten gefunden haben, eher nicht.“ Das Snøffeltøffs -DJ-Team, das immer noch regelmäßig einmal im Monat in der 8MM-Bar auflegt, tut das natürlich auch mit Singles, weil etwas anderes als Vinyl in dieser Szene einfach nicht toleriert wird. Aber man kauft sich eben vergleichsweise billige Nachpressungen. „Ist ohnehin besser“, sagt Julian. „Bei denen tut es auch nicht so weh, wenn eine kaputt gehen sollte.“

Snøffeltøffs Album „Hokus Pokus“ ist bei Snowhite erschienen. Konzert: 17.12., 21 Uhr, Kaffee Burger, Torstr. 60, Mitte

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