Kultur : So jung, so alt

Silvia Hallensleben

Es gibt Hollywood, Fernsehspiele und filmischen Europudding. Und es gibt Filme, die können nur an Filmhochschulen entstehen. Solche, denen man ansieht, daß ihr Horizont wesentlich durch die Eigenheiten des Studentenleben bestimmt ist. Vorwerfen kann man ihnen und ihren Machern diese Beschränktheit kaum. Aus welchem Leben sollen sie denn schöpfen als dem eigenen?

Wieviel eigene Lebenserfahrung in Filippos Tsitos dffb-Abschlussfilm "My sweet home" steckt, lässt sich nur vermuten. Der Film ist breit angelegt: Ein ganzes Dutzend Schicksale treibt er zu einem Polterabend in einer Berliner Kneipe zusammen. Gastgeber: Ein Amerikaner, der sich erst mit aller Gewalt binden will und es sich dann doch anders überlegt. Die Gäste: Looser aus aller Welt, die beim Feiern erst weltpolitische Differenzen ausagieren und sich dann zum kollektiven Aufarbeiten ihrer Lebenslügen zusammenraffen. Alles ist versammelt, was das studentische Universum ausmacht: die fremde Stadt, elterliche Erwartungen, Partnersuche, Konkurrenz und Versagensängste. Und lange Kneipenabende, an denen die eigene und die Weltlage debattiert wird.

"My Sweet Home" ist zu wenig und doch zu viel. Eine Kurzfilmidee, die zum Spielfilm auswuchert. Ein Film, der mehr will, als er einlösen kann. Denn was hier - stellvertretend für den Weltzustand im Allgemeinen und das Einwanderungsland Deutschland im Besonderen - wortreich verhandelt wird, mag im Einzelnen durchaus den Punkt treffen, bleibt im Ganzen aber als diffuses Multikulti-Allerlei zurück. Ältere mögen es auch lächerlich finden, wenn 25-Jährige von verpassten Lebensträumen reden. Doch solch ein Film ist eben von Filmstudenten für Sonst-Studenten gemacht. Tsitos Pech war es paradoxerweise, dass der damalige Noch-Berlinale-Chef de Hadeln seinen Film vor zwei Jahren im Berlinale-Wettbewerb verheizte, dem falschesten Ort, den man sich vorstellen kann. Jetzt kommt er ins Kino. Vielleicht findet er hier ja ein angemessenes Publikum.

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