So kann’s gehen : Darf ich als Erste unterschreiben?

Immer wieder sonntagsfragen Sie Elisabeth Binder

Elisabeth Binder

Normalerweise erledige ich den Schriftverkehr für die ganze Familie, das gilt für Mails wie auch für die Briefpost. Wenn ich dann für meinen Mann und die beiden Kinder schreibe, nenne ich zuerst meinen Namen, dann den meines Mannes und schließlich die der Kinder. Ich fürchte aber, dass das unhöflich sein könnte wegen des alten Sprichworts: „Der Esel nennt sich immer zuerst.“

Alte Sprichwörter soll man mit Vorsicht genießen. Nicht alle entspringen reiner Weisheit. Manchmal ist eine etwas polternde Pädagogik der Urheber solcher Sätze. Auf Ihre Situation passt dieser gar nicht. Erstens sind Sie die Mutter der Familie und zweitens die Autorin des Schreibens, beide Umstände geben schon doppelt Grund für das Recht der ersten Unterschrift. Damit kennzeichnen Sie sich selber ja auch als Autorin, übernehmen also die Verantwortung für den Text, auch wenn der Rest der Familie einverstanden ist, wenn Sie im Namen aller sprechen. Würden Sie aus taktischer Bescheidenheit mit den Namen der Kinder anfangen, könnte es so wirken, als wollten Sie sich hinter diesen verstecken, was auch albern wäre.

Nicht alles ist so einfach, wie es alte Sprüche haben wollen. Bescheidenheit, die einen Menschen ziert, kann auch verlangen, dass man sich nicht unnötig verrenkt, sondern sich im Umgang mit anderen um Klarheit und Einfachheit bemüht. Natürlich könnten Sie Ihre Familie auch dazu erziehen, sich beim Schriftverkehr gelegentlich mit kleinen, individuell unterzeichneten Zusatzgrüßen zu beteiligen. So ein Gemeinschaftswerk wirkt auf den Empfänger noch sympathischer. Die Empfänger fühlen sich dann von der ganzen Familie wahrgenommen, und Mann und Kinder erkennen auf diese Weise vielleicht, welche Mühe Sie in den familiären Schriftverkehr stecken. Natürlich können Sie auch einfach mal variieren und schreiben Ihren eigenen Namen und dann nach einem dezenten „mit“ die Namen der anderen.

Bitte schicken Sie Ihre Fragen mit der Post (Der Tagesspiegel, „Immer wieder sonntags“, 10876 Berlin) oder mailen Sie an:

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