So kann’s gehen : Darf ich auch was sagen?

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Im Gespräch mit einem Mann kommt es häufig vor, dass dieser in Monologe verfällt und beleidigt reagiert, wenn ich auch mal was sagen will. Alkohol verschlimmert die Situation. Am Ende fühle ich mich als seelischer Mülleimer missbraucht, während der Mann mich nach meinen Einwänden als wenig inspirierende Gesprächspartnerin beschimpft.

Vor einiger Zeit wurde eine Studie veröffentlicht, nach der Frauen ungefähr doppelt so viele Worte machen wie Männer. Viele Frauen leiden unter der Wortkargheit von Männern, die denken, es reiche aus, zu allem immer nur das Nötigste zu sagen. Insofern sind Sie durchaus in einer besonderen Situation. Ich fürchte, es geht da nicht nur um Monologe. Wenn man einen Gesprächspartner langweilig findet und sich selbst missbraucht fühlt, bräuchte man ihn ja nicht zu treffen. Wahrscheinlich leiden Sie auch unter falschen Freunden. In einer echten Freundschaft muss das Interesse an den Gedanken des Gegenübers beidseitig sein. Sie sollten sich vielleicht darüber im Klaren werden, was Ihnen die Freundschaft wirklich bedeutet, und ob sie noch zu retten ist.

Beim nächsten Gesprächsabend mit einem Monologisierer sollten Sie gleich sagen, dass Sie beim letzten Mal zu kurz gekommen sind. Und vielleicht ein Thema vorschlagen, das Sie selber interessiert. Wenn der Mann ein notorischer Selbstdarsteller ist, der einfach nur ein stummes Publikum braucht, um seine Eitelkeit auszutoben, wird er nicht viel Lust haben, sich auf solche Bedingungen einzulassen. Damit müssen Sie rechnen. Echte Zuneigung lässt sich nicht einklagen. Man kann darauf aufmerksam machen, dass einem was fehlt. Man kann sich auch selber fragen, ob man großzügig genug ist dem anderen gegenüber. Wenn aber auf Dauer ein unzufriedenes Gefühl bleibt, muss man einfach weiter suchen nach Freunden, mit denen die Chemie wirklich stimmt.

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