So kann’s gehen : Darf ich Blumen reklamieren?

Immer wieder sonntags fragen Sie Elisabeth Binder

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Manchmal bringen Gäste einen Blumenstrauß mit, der sich bereits am Folgetag als alt herausstellt, weil die Blumen rasch welken. Als mein Sohn mir einen solchen Strauß brachte, habe ich ihn umgetauscht, weil ich den Laden kannte. Soll ich auch andere Gäste informieren, wenn die Blumen nicht frisch waren, und nach der Adresse des Geschäfts fragen?





Kritische Verbraucher kann man nur loben, aber was ist mit kritischen Beschenkten? Verstoßen die nicht gegen die alte Volksweisheit, dass man einem geschenkten Gaul nicht zu tief ins Maul schauen soll?

Mit den Blumen will man Ihnen nach Möglichkeit Freude bereiten. „Nach Möglichkeit“ umfasst in diesem Fall nicht nur den finanziellen Betrag, der für Ihre Freude aufgebracht wird, sondern auch die Weltkenntnisse, die darin eingebracht werden. Ich könnte mir vorstellen, dass der größere Teil der Blumenschenker nicht die blasseste Ahnung hat, dass Händler ihnen alte Ware angedreht haben. Vielleicht haben sie sich, vor die Wahl gestellt zwischen den unscheinbaren Knospen eines superfrischen Straußes und der barocken Pracht eines bereits aufgeblühten Bouquets, auch für das Wow-Erlebnis entschieden. Bitte reklamieren Sie keine Blumengeschenke. Damit machen Sie sich nur zum Stoff von Anekdoten im Bekanntenkreis. Bestenfalls kann man Ihnen Ihre Effizienz als unromantisch auslegen. Freuen Sie sich an den Blumen, solange die das hergeben, und dann weg damit. Das würde ich auch mit den Blumen des Sohnes so halten, schließlich hat er sie für Sie ausgesucht. Man denkt zu leicht, im alt vertrauten Familienkreis darf die vermeintliche Vernunft immer Vorrang haben, aber das kann auch zu Verstimmungen führen. Tauschen Sie Blumen bitte wirklich nur um, wenn Sie selber sie zum Zweck der Dekoration Ihrer Wohnung gekauft haben. Aber ich bin sicher: Dann passieren solche Fehler erst gar nicht.

Bitte schicken Sie Ihre Fragen mit der Post (Der Tagesspiegel, „Immer wieder sonntags“, 10876 Berlin) oder mailen Sie diese an:

meinefrage@tagesspiegel.de

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