So kann’s gehen : Darf ich einfach rauchen?

Elisabeth Binder

Kürzlich hatte ich meine Arbeitskollegen zu einem halb privaten, halb geschäftlichen Abendessen geladen. Ein Gast störte sich daran, dass ich mit Kollegen nach dem Essen geraucht habe. Da es um firmeninterne Dinge gegangen sei, habe er sich nicht einfach zurückziehen können. Dann belehrte er mich noch über mein gesundheitsschädigendes Verhalten. Ich glaube nicht, dass ich in meiner eigenen Wohnung um Erlaubnis fragen muss.

Sie haben sich beide suboptimal verhalten. Aber Ihr Gast macht auf mich einen unsympathischen Eindruck, ich finde ihn geradezu unhöflich. Wenn ihm der Qualm ernsthafte Sorge um die eigene Gesundheit verursacht hätte, dann hätte er auch ganz anders reagieren können. Etwa so: „Bitte entschuldigt, mein Hals fühlt sich furchtbar an. Ob wir das Geschäftliche ganz rasch erledigen können und ihr macht die Zigaretten noch mal kurz aus? Danach breche ich sofort auf, dann könnt ihr qualmen, bis ihr schwarz werdet.“ Offenbar war die Sorge um seine Gesundheit aber nicht das Hauptmotiv für seine Intervention. Er hat ganz einfach die herrschende Anti-Raucher-Stimmung genutzt, um Sie von oben herab zu belehren. Dass Sie das als Maßregelung empfunden und sich geärgert haben, kann ich gut verstehen.

Andererseits kann es natürlich nie schaden, wenn man das Rauchen ankündigt, etwa: „Ich hoffe, es macht niemandem zu viel aus, wenn wir kurz eine rauchen.“ Natürlich müssen Sie in Ihrer Wohnung nicht um Erlaubnis fragen. Sie müssen nicht mal Gäste einladen. Aber wenn Sie es schon tun, wäre eine solche Frage eine zusätzliche freundliche Geste. Man will ja, dass die Gäste sich wohl fühlen. Wenn der Kollege an der Stelle Einspruch erhoben hätte, dann hätten Sie immer noch dafür plädieren können, das geschäftliche Pflichtprogramm rasch abzuarbeiten und danach zum vergnüglichen Teil des Abend überzugehen, bei dem alle Laster zugelassen sind.

Bitte schicken Sie Ihre Fragen mit der Post (Der Tagesspiegel, „Immer wieder sonntags“, 10876 Berlin) oder mailen Sie an:

meinefrage@tagesspiegel.de

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben