So kann’s gehen : Darf ich grüßen?

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Man unterhält sich mit einer Person, und eine andere Person betritt den Raum: Unterbricht man das Gespräch, um kurz die hereinkommende Person zu begrüßen? Oder ist das unhöflich dem Gesprächspartner gegenüber? Nickt man vielleicht nur kurz? Spielen Hierarchien eine Rolle?

Ob Sie das Gespräch unterbrechen oder nicht, hängt auch von der Intensität ab. Widmen Sie sich gerade hochkonzentriert einem schwierigen Problem, welches innerhalb kürzester Zeit gelöst werden muss? Dann sollten Sie sich nicht ablenken lassen. Stecken Sie in einem Arbeitsgespräch über Dinge, die relevant sind, aber nicht superdringlich, wäre es auf jeden Fall freundlich, der herein kommenden Person ein kurzes „Hallo“ zuzuwerfen.

Hierarchien sollten dabei keine Rolle spielen. Im Zweifelsfall würde ich eher empfehlen, den schüchternen Praktikanten zu grüßen, als den Chef. Nicht, weil der weniger Freundlichkeit nötig hätte, im Gegenteil. Menschen hören nicht auf, sich über nette Gesten zu freuen, nur weil sie Chef werden. Aber sie sind in aller Regel selbstbewusster und haben, anders als Praktikanten, Ermutigung und das Gefühl, wahrgenommen zu werden und willkommen zu sein, nicht so nötig. Wenn Sie einen sehr eitlen oder hierarchischen Chef haben, sollten Sie ihn freilich vorsichtshalber grüßen. Dem Gesprächspartner gegenüber ist das nicht unhöflich. Dumm wäre es, wenn beide den Impuls hätten, den neu Hinzukommenden zu grüßen und es aus falsch verstandener gegenseitiger Rücksichtnahme nicht tun.

Streng verboten ist es, nicht zu grüßen, weil man unbedingt arbeitsam und konzentriert wirken will. Da macht man sich der Heuchelei schuldig. Sowieso sagt Erfahrung, je mehr Leute zu tun haben und je besser sie ihre Aufgaben erledigen, desto mehr Zeit wenden sie auch noch für nette Gesten auf.

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