So kann’s gehen : Darf ich mich beschweren?

Leider werde ich regelmäßig von Freunden und Bekannten versetzt, meist ganz kurzfristig. Entschuldigungen akzeptiere ich großzügig und bestehe auch nicht auf Einhaltung der Termine. Vielleicht glauben die Leute deshalb, das sei kein Problem für mich. Da ich mir selber aber den jeweiligen Termin frei gehalten habe, nervt mich das natürlich trotzdem. Darf ich mich da mal beschweren?

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Ihre Freunde und Bekannte verhalten sich Ihnen gegenüber unhöflich und rücksichtslos, und es ist geradezu Ihre Pflicht, das auch mal deutlich zu machen. Zwar ist es ein Trend der Zeit, dass man sich lieber lose verabredet, weil man sich immer flexibel halten will für den Fall, dass noch was Besseres des Weges kommt. Das mag pragmatisch erscheinen, kann für den Versetzten aber unangenehm und sogar demütigend sein. Akzeptieren Sie, besonders im Wiederholungsfalle, eine kurzfristige Absage nicht, ohne nach dem Grund zu fragen. Dann erkennen Sie ja schon, ob der Verzicht auf das Treffen zwingend ist, oder ob ein akuter Lustfaktor eine Rolle spielt. Wobei mit kleinen Lügen immer gerechnet werden muss. Nur weil dem anderen gerade der Sinn mehr nach Kino steht, darf er Ihnen nicht einfach absagen. Ein erkranktes Kind wäre hingegen ein akzeptabler Grund.

Auch wenn Sie gern und leicht verzeihen: Machen Sie dem Verabredungspartner deutlich, dass auch Sie mit einem Terminkorsett zu kämpfen haben und nun einen Abend verloren haben. Geben Sie Ihrer Enttäuschung Ausdruck. Und zeigen Sie sich ruhig ein bisschen kompliziert bei der Suche nach einem Ersatztermin. Wenn die Leute den Eindruck haben, dass Sie eh immer Zeit haben, verführt sie das zu Unhöflichkeiten. Unterstreichen Sie hingegen, dass ein Termin mit Ihnen auch nicht so leicht zu kriegen ist, werden sie es sich beim nächsten Mal vielleicht überlegen, ob sie wirklich absagen sollen. Das Rezept klingt altmodisch, wirkt aber nach wie vor.

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