So kann’s gehen : Darf ich mich zurücklehnen?

Elisabeth Binder

Kürzlich habe ich mich im Flugzeug extrem bedrängt gefühlt, weil der Vordermann seine Rücklehne ganz nach hinten gestellt hat. Das fand ich sehr rücksichtslos. Wie reagiert man da?

Gelegentlich bin ich selber schon Zeugin geworden, wie es zu heftigen Auseinandersetzungen über diese Frage kam. Erfahrene Fluggäste kennen das Problem. Natürlich engt man den hinter einem Sitzenden ein, wenn man es sich selber bequemer macht. Es wäre daher richtig, sich zu fragen, ob das nun unbedingt sein muss. Wer nur um selber ein bisschen entspannter in der Gegend herumzuliegen einem anderen den Flug vergällt, verhält sich unnötig unfreundlich. Klar, wer die ganze Nacht durchfliegt und ein bisschen Schlaf ergattern will, wird irgendwann die Lehne zurückstellen. Aber bei solchen Flügen gibt es immer eine Phase, wo die einen schlafen und die anderen Filme gucken, wo also ein kollektives Lehnenzurückstellen stattfindet. Dann ist für den Hintermann die Enge auch nicht ganz so drangvoll.

Am helllichten Tag und bei kurzen Flügen würde ich darauf verzichten. Zumindest wäre es freundlich, sich vorher zu erkundigen, ob sich der andere Fluggast nicht gestört fühlt. Auch sollte man darauf achten, nicht plötzlich die Lehne nach hinten zu rucken, wenn Gefahr besteht, dass da Getränke herumstehen, die überschwappen könnten.

Grundsätzlich denke ich, man muss nicht jede Bequemlichkeit ausnutzen, nur weil sie sich einem bietet. Bevor Sie die Lehnen zurückstellen, fragen Sie sich, wie sehr Sie es schätzen würden, wenn Ihr Vordermann das mit Ihnen macht. Vielleicht wäre es eine gute Idee für die Fluggesellschaften bei den Sicherheitshinweisen einen Höflichkeitstipp aufzunehmen und zu sagen, dass die Sitze aus Rücksicht auf die Mitpassagiere wirklich nur nach hinten gestellt werden sollten, wenn die allgemeine Schlafphase beginnt.

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