So kann’s gehen : Darf ich Thunfischverbot erteilen?

Immer wieder sonntagsfragen Sie Elisabeth Binder

Elisabeth Binder
Elisabeth Binder HP Kontur

Ist es eigentlich ungehörig, wenn man im Restaurant Bekannte darauf hinweist, dass man keinen Thunfisch essen soll, weil der vom Aussterben bedroht ist? Vor einiger Zeit stieß ich damit auf ziemliches Unverständnis, obwohl ich doch Recht hatte.

In einer Konzertpause habe ich mal beim Händewaschen das Wasser einen Augenblick länger laufen lassen als unbedingt nötig. Da sprang eine Frau herbei und drehte mir unter protestierenden Hinweisen auf die Wasserknappheit in der Welt den Hahn zu. Fand ich die Frau unsympathisch? Ja. Fühlte ich mich auf unangemessene Art belehrt? Ja. Hatte die Frau irgendwo auch recht? Ja. Das ist ein schwieriges Terrain. Man soll die Lust, andere zu belehren und das die eigene Eitelkeit kitzelnde Gefühl, ein besserer Mensch zu sein, nicht verwechseln mit dem ehrlichen Wunsch, die Welt zu verbessern.

Bevor Sie auf andere pädagogisch einwirken, sollten Sie tief in sich hineinhorchen, was Ihr Motiv dafür ist. Das ist auch eine gute Übung, um die richtige Tonlage zu finden und die passende Situation. Soll man der Freundin den Appetit auf roh marinierten Thunfisch mit dem Holzhammer austreiben, indem man ihr einen Vortrag über die unglücklichen Perspektiven dieser Spezies hält? Nein, denn die Portion, die Ihre Freundin gern vertilgt hätte, essen dann doch die Leute am Nachbartisch. Besser wäre es, zuzugeben, dass man selber auch gern Thunfisch hätte, aber aus Rücksicht auf die Natur lieber darauf verzichtet. Dabei ist es wichtig, sich nicht als Säulenheiligen darzustellen, nicht pharisäerhaft rüberzukommen.

Es spricht auch nichts dagegen, im Freundeskreis Diskussionen anzuzetteln über Themen, die einen bewegen. Beispiel: Soll man kürzer duschen, um Wasser zu sparen? Manchmal bewirkt die intensivere Beschäftigung mit einem Thema schon eine Änderung eingefahrener Verhaltensweisen zum Besseren.

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