So kann’s gehen : Darf man die Reste einpacken?

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Neulich habe ich einen gut situierten Freund zum Frühstück in ein Café eingeladen. Am Ende packte er die übrig gebliebenen vier Brötchen in eine Serviette ein und sagte auf meinen Einwand, die seien doch eh bezahlt, hätten lecker geschmeckt und würden sonst weggeworfen. Macht man das?

Ihr gut situierter Freund schert sich offenbar nicht allzu sehr darum, was „man“ macht. Das ist eigentlich sympathisch. Und er hat recht: Brötchen, die einem Gast einmal vorgesetzt wurden, müssen anschließend weggeworfen werden. Das ist wirklich schade drum. In anderen Ländern, zum Beispiel den USA, ist es völlig akzeptiert, nach einem sogenannten Doggy Bag zu fragen. Früher tat man noch etwas verschämt so, als wolle man die Reste tatsächlich für den Hund mitnehmen. Aber auch das hat sich geändert. Als ich in Amerika in einem Restaurant mal nach einer halben Portion eines Gerichts fragte, gab es die zwar nicht, dafür aber das Angebot, die Hälfte schon vorab als Lunchbox für den nächsten Tag zu verpacken.

Auch in Berlin wird man inzwischen gelegentlich gefragt, ob man die Reste nicht mitnehmen wolle. Natürlich sind internationale Gebräuche nicht jedermanns Sache. Einerseits finde ich die Einstellung Ihres Freundes ganz vernünftig und würde ihn uneingeschränkt ermutigen, wenn er allein im Café gesessen und das Frühstück bezahlt hätte. Wenn man eingeladen ist, sollte man freilich die Gefühle des Gastgebers berücksichtigen. In diesem Fall hätte er Sie fragen sollen, ob es Ihnen recht ist, wenn er die Brötchen einsteckt. Dann hätten Sie ihm sagen können, dass Ihnen das peinlich ist. Wäre zwar schade um die schönen Brötchen gewesen. Aber es ist besser, eine gute Idee vorübergehend zu opfern, als seine Mitmenschen in Situationen zu bringen, in denen sie sich nicht wohlfühlen. Zumal, wenn es sich um alte Freunde handelt.

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