So kann’s gehen : Muss ich alle Hände schütteln?

Immer wieder sonntags fragen Sie Elisabeth Binder

Elisabeth Binder

Die allgegenwärtige Händeschüttelei bei jeder Begrüßung, egal ob Arzt, Friseur, Sportgruppe oder Bank stört mich zunehmend. Wie kann ich mich in Grippezeiten dem entziehen, ohne unhöflich zu sein? Meine auf dem Rücken versteckten Hände haben leider bisher nichts genützt.

Mich wundert es auch immer wieder, wie wenig Problembewusstsein die Leute in dieser Sache entwickeln. Es ist ja durch viele Studien erwiesen, dass man sich mit allem möglichen anstecken kann, und dass häufiges Händewaschen die beste Prävention vor Krankheiten ist. Es wäre also nur vernünftig, aufs Händeschütteln weitgehend zu verzichten. Herzlichkeit kann man auch anders ausdrücken, durch ein möglichst strahlendes Lächeln zum Beispiel. Ich habe schon öfter erlebt, wie schwer es ist, einer ausgestreckten Hand zu entgehen, ohne den anderen zu verletzen. Aber irgendwann wird sich die Vernunft durchsetzen. Um das zu erreichen, muss es Pioniere geben. Zu denen zähle ich mich selber, vielleicht wollen Sie auch dazu gehören.

Die Hände zu verstecken, nützt natürlich schon deshalb nichts, weil der andere ja weiß, dass sie da sind und ohne größeren Aufwand hervorgezogen werden könnten. Ich würde immer auf Erklärungen setzen. Der Satz „Man soll ja in Grippezeiten immer vorsichtig sein“, nimmt schon eine Menge Spannung aus der Situation. Vielleicht hält man Sie für einen Hypochonder, aber damit können Sie leben. Wenn nicht, geben Sie irgendwas anderes vor: „Sorry, ich habe gerade klebrige Hände.“

Ich bin oft überrascht, wie ausdauernd Menschen versuchen, doch noch einen Händedruck zu ergattern, wenn man schon deutlich signalisiert hat, dass man das nicht will. Es wird immer Leute geben, die mit einem solchen Enthusiasmus auf einen zukommen, dass man dem Handschlag nicht entgehen kann. In dem Fall hilft wirklich nur der anschließende Gang zum nächsten Waschbecken.

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