So kann’s gehen : Muss ich bei Festen spenden?

Elisabeth Binder

Immer häufiger wird man bei Geburtstagen und anderen Festivitäten aufgefordert, statt eines Geschenks eine Spende zu machen. Eigentlich finde ich die Idee ja gut. Aber ich habe das Gefühl, immer mindestens das Doppelte von dem einsetzen zu müssen, was ich für ein Geschenk aufwenden würde. Das ist zwar eigentlich in Ordnung, weil es um gute Sachen geht. Letztlich geht das aber dann den Organisationen verloren, die ich selber unterstützen möchte.

Grundsätzlich finde ich die Idee mit den Spenden statt Geschenken genial. Allerdings kommt es immer auf die Inszenierung an. Am besten hat mir ein Fest gefallen, bei dem man Geschenke mitbringen und / oder zusätzlich etwas spenden durfte. Die Gastgeberin hatte für diesen Zweck eine undurchsichtige Box mit einem Schlitz gebastelt für Geldscheine und Münzen. Die Box stand in einer Ecke im Flur, die nicht so belagert war. Man konnte also ganz anonym was hineinstecken, ohne offenbaren zu müssen, wie viel genau einem der Spendenzweck wert war. Die Gastgeberin hat es dann auf sich genommen, das gespendete Geld auf das Konto der Suppenküche zu überweisen.

Einfacher wäre es für sie gewesen, wenn sie die Gäste aufgefordert hätte, im Namen ihrer Geburtstagsfete selber etwas dahin zu überweisen. Die Gewieften unter den Gästen hätten das vermutlich auch gern getan, um mit der Quittung Steuern zu sparen. Die beschriebene Art verlangt also von allen eine Extraportion Großzügigkeit, die ich allerdings ganz wünschenswert finde. Der Schenkende verzichtet darauf, Prestigegewinn durch gezeigte Großzügigkeit einzufahren, und hat die Freiheit, sich tatsächlich auf den Gegenwert eines normalen Geschenks zu beschränken, um eigenen guten Taten nichts abzuziehen. Den starken Trend zu Spenden statt Staubfängern beobachte ich mit Freude. Dass am Prozedere immer mal wieder gefeilt wird, ist doch ganz in Ordnung.

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