So kann’s gehen : Muss ich die Hundeliebe teilen?

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Eine Frau, die kurz vorher ausgiebig einen Hund gestreichelt hatte, forderte mich zum Tanzen auf. Ich habe sie gebeten, sich zuerst die Hände zu waschen, weil ich mich wegen des Hundes ekelte. Vorsichtshalber habe ich vorgegeben, allergisch zu sein. War das unhöflich?

Die Frau wird Ihren Einwand vielleicht nicht gerne gehört haben. Leider ist es unter Hundeliebhabern ein verbreitetes Phänomen, dass sie sich schlecht hineinversetzen können in Menschen, die ihre Leidenschaft nicht teilen. Manchmal geht das sogar so weit, dass sie Zeitgenossen, die mit Hunden nichts anfangen können, als schlechtere Menschen abqualifizieren. Das ist natürlich schlechtes Benehmen. Für Ihre Tanzpartnerin war das Tier des Anstoßes vielleicht der süßeste Kuschelhund aller Zeiten. Sie selbst mögen sich vorgestellt haben, dass er an Sachen geschnuppert haben könnte, mit denen Sie keinesfalls in Berührung kommen möchten. Und es ist ja auch richtig, dass Tiere Krankheiten übertragen können. Wer sie liebt, dem macht das nichts aus. Wenn man einen Menschen liebt, macht es einem auch nichts aus, ihn zu küssen, wenn er erkältet ist. Dem verschnieften Kollegen im Büro würde man hingegen den Handschlag zur Begrüßung eher verweigern.

Ich glaube, dass Sie ganz richtig reagiert haben. Hätten Sie den Tanz mit schmutzigen Händen stillschweigend ertragen, hätten Sie sich vielleicht verkrampft und unsichtbare Signale ausgesandt. Die Partnerin hätte fürchten müssen, dass irgendwas an ihr unsympathisch ist. Natürlich braucht es Mut, solche Bedenken auszusprechen, weil Tierliebe immer als Tugend gehandelt wird. Eine Allergie vorzugeben, ist ein guter Trick, um der Situation die Schärfe zu nehmen. Eigentlich müssten Hundefreunde ein Unbehagen wie das Ihre aber auch ohne Entschuldigung verstehen können.

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