So kann’s gehen : Muss ich Fremde beherbergen?

Elisabeth Binder

Meine Freundin will aus Anlass eines runden Geburtstags ein großes Fest geben. Da ihre Familie bei ihr übernachten soll, hat sie mich gebeten, zwei gute Freunde aufzunehmen. Eigentlich ist mir das zu stressig, ich bin aber nicht sicher, ob ich einfach ablehnen kann, weil ich nicht weiß, wie wohlhabend diese Freunde sind.

Grundsätzlich finde ich, dass auswärtige Gäste eines Festes sich um die Übernachtung selber kümmern müssen. Ganz gewiss gilt das, wenn es sich dabei um normal verdienende Berufstätige handelt. Ob sich jemand ein Hotelzimmer leisten kann oder nicht, hängt stark vom subjektiven Empfinden ab. Es gibt Menschen, die ihre Unabhängigkeit schätzen, auch wenn sie das finanziell ein bisschen schmerzt, andere sind ganz einfach geizig und übernachten lieber auf dem Sofa, als ein paar Euro zu viel aus der Kerkerhaft ihres Kontos zu befreien. Fragen Sie doch einfach Ihre Freundin nach dem Hintergrund der Ihnen angedienten Hausgäste. Wenn Sie eine traurige Geschichte zu hören bekommen von unverschuldeter Arbeitslosigkeit, allein erziehender Armut etc., können Sie ja noch mal in sich gehen. Hören Sie hingegen, dass es sich bei den Freunden um erfolgreiche Geschäftsleute oder Beamte handelt, können Sie getrost nachfragen, warum die nicht in ein Hotel ziehen. Ist man aus dem besten Studentenalter erst mal raus, hat man in aller Regel Sinn für Komfort entwickelt. Sagen Sie doch, dass es Ihnen Mühe macht zu improvisieren, und dass die Situation sich allen Beteiligten als suboptimal darstellen könnte.

Es ist nicht immer richtig, die Zähne zusammenzubeißen, nur weil man sich verpflichtet fühlt, einer Freundin einen Gefallen zu tun. Vielleicht ist es ja lediglich sie selber, die so sparsam ist. Nicht ausgeschlossen, dass die Studienrätin aus Oldenburg selber voller Grauen daran denkt, dass sie bei einer Unbekannten übernachten muss, statt sich gemütlich in ein Hotel einquartieren zu können.

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