So kann’s gehen : Muss ich für andere mitzahlen?

Immer wieder sonntagsfragen Sie Elisabeth Binder

Elisabeth Binder

Zurzeit muss ich sparen. Wenn ich mit Freunden ausgehe, esse ich was Preiswertes und trinke nur ein Glas Wein. Häufig schlägt jemand vor, die Rechnung zu gleichen Teilen zu bezahlen, oft derjenige, der von diesem Modus besonders profitiert. Teilweise ignoriere ich das, lege nur meinen Anteil dazu oder bitte um getrennte Rechnung, fühle mich aber kleinlich und geizig dabei.

Es ist meistens so, dass Menschen, die zum Unverschämten neigen, auch die besseren Nerven haben. Sie hingegen leiden an Ihrer Sensibilität, sollten freilich froh sein, dass sie diese besitzen. Denn letztlich werden Sie dadurch eher populär, als wenn Sie andere ausbeuten. Wer handelt denn in dem von Ihnen geschilderten Szenario geizig? Doch derjenige, der großspurig die zu gleichen Teilen geteilte Rechnung vorschlägt, obwohl er selber den dicksten Batzen verzehrt hat. Man könnte auch sagen, er bereichert sich auf Kosten der anderen. „Ich hatte nur ein Glas Wein und eine Pizza Margarita, das zahle ich lieber rasch mal extra.“ Mit diesem Hinweis machen Sie deutlich, dass Sie einen weit unterdurchschnittlichen Anteil an der gemeinsamen Rechnung haben und sich nicht nötigen lassen wollen, die anderen mit einzuladen. Das ist kein Grund, sich schlecht zu fühlen. Natürlich ist es immer schön, wenn man lässig mit Geld umgehen kann. In meinen Augen ist es aber kein lockerer Umgang mit Geld, wenn man seinen Anteil mindern will. Das kommt mir eher so vor wie fortgeschrittenes Schnorrertum, und wenn Ihre anderen Freunde halbwegs intelligent sind, werden sie das genauso durchschauen wie Sie selber. Man kann sich eine gemeinsame Rechnung kommen lassen und beschließen, dass jeder seinen Anteil dazu legt, also der eine fünf Euro für das eine Glas Wein und der nächste 30 Euro für die drei teuren Cocktails.

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