So kann’s gehen : Muss ich im Restaurant schweigen?

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In unserem winzigen Lieblingsrestaurant wird zum Essen öfter Live-Musik gespielt. Die Unterhaltung an unserem Vierertisch wurde von anderen Gästen energisch unterbrochen. Zwar wiesen wir daraufhin, dass dies kein Konzertsaal, sondern ein Restaurant sei, aber die giftigen Blicke der anderen schlugen uns bald in die Flucht. War die Kritik berechtigt?

Wenn der Raum wirklich so klein ist und öfter Konzerte veranstaltet werden, müsste eigentlich der Restaurantchef klare Regeln aufstellen. Man kann ja ganz einfach in die Speisekarte schreiben, dass an den Konzertabenden die Tischgespräche bitte unterbrochen werden sollen, um die Künstler und die Konzentration der anderen Gäste nicht zu stören. Umgekehrt kann man natürlich auch sagen, dass die Künstler sich über diese Plattform freuen, aber keinen Anstoß daran nehmen, wenn sie die Hintergrundmusik für hoffentlich gute Gespräche liefern. Dann wären die Verhältnisse klar. Aber wahrscheinlich will es sich der Wirt mit niemandem verderben, was ein Fehler ist. Denn der Austausch von Giftpfeilen unter den Gästen führt zum Verlust der Freude an seinem Restaurant.

Es gibt Zeitgenossen, die sich gern lautstark als Kulturmenschen inszenieren und eine seltsame Befriedigung daraus ziehen, sich als bessere Menschen zu fühlen. Das könnte in Ihrem Fall auf die erbosten Gäste zutreffen. Andererseits kann es auch sein, dass die Leute von dem Auftritt so hingerissen waren, dass sie ihn sich wirklich nicht durch Gequatsche am Nachbartisch verderben lassen wollten. Es war sicher richtig, das Lokal vorzeitig zu verlassen. Niemand ist gern Störenfried. Da es sich aber um Ihr Lieblingsrestaurant handelt, sollten Sie künftigen Konflikten vorbeugen, indem Sie den Wirt bitten, für die Konzerte eindeutige Regeln aufzustellen. Wenn Sie dann Lust zum Reden haben und schon wissen, dass ein Konzert ansteht, gehen Sie halt woanders hin.

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