So kann’s gehen : Muss ich mich ausgrenzen lassen?

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Ich bin Diabetikerin. Soll ich mich von Festbanketten ausgrenzen lassen, obwohl die Möglichkeit besteht, sich bei Tisch Insulin diskret mithilfe eines Pens zu spritzen, der aussieht wie ein Kugelschreiber und keinen Menschen stört? Ich möchte den Tischgesprächen gern ohne Unterbrechung folgen.

Kürzlich wurde an dieser Stelle unter der Überschrift „Warum ist der Gast beleidigt?“ der Fall einer Gastgeberin behandelt, die ihren an Diabetes erkrankten Schwager gebeten hatte, sich die Spritze nicht in Anwesenheit der Gäste zu setzen. Daraufhin verzichtete er unter Protest auf die Teilnahme. Es meldeten sich dazu Diabetiker, die geltend machten, dass es keinen Grund mehr gibt, sich ausgrenzen zu lassen, seitdem die Möglichkeit besteht, sich die Spritze ganz unauffällig zu setzen, so dass es keinen, der sie nicht unhöflicherweise neugierig anstarrt, stören muss.

Zwar bin ich nach wie vor der Ansicht, dass man auf die Wünsche von Gastgebern Rücksicht nehmen sollte. Eine ausführliche Erklärung der Umstände hätte die Wogen womöglich rasch geglättet. In dem Moment, wo jemand sich wegen einer Erkrankung ausgegrenzt fühlt, ohne sich absichtlich provozierend zu verhalten, verdient er natürlich Rücksichtnahme. An dem Fall hatte mich die Aggressivität gestört und die Tatsache, dass dann auch die Ehefrau und Schwester der Gastgeberin auf das Fest verzichten musste. Einen kurzen Rückzug nach draußen hatte ich für zumutbar gehalten. Es ging vor allem um die Form der Auseinandersetzung und auf keinen Fall um eine generelle Diskriminierung von Diabetikern.

Eine Ärztin schrieb, dass Restauranttoiletten aus hygienischen Gründen oft nicht die besten Orte sind, um Spritzen zu setzen. Ganz schlimm finde ich es, jemanden einfach als Fixer zu beschimpfen, ohne zu wissen, warum er sich eine Spritze setzt. Auch das ist einem Leser wiederholt passiert.

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