So kann’s gehen : Muss ich Undankbarkeit ertragen?

Elisabeth Binder

Ein alter Freund meines Mannes besucht uns zusammen mit seiner Lebensgefährtin mehrmals im Jahr. Ich gebe mir immer sehr viel Mühe mit dem Essen, muss aber enttäuscht feststellen, dass nie ein Dankeschön kommt in Gestalt eines kleinen Mitbringsels oder eines Anrufs am Tag danach. Auch Gegeneinladungen gibt es nicht. Ist es kleinlich, wenn ich mich ausgenutzt fühle?

Wenn Ihre Schilderung auch nur halbwegs der Realität entspricht, verhalten Sie sich über die Maßen großzügig einem Menschen gegenüber, der das wohl nicht verdient. Sie haben völlig recht, wenn Sie dieses Verhalten als unhöflich empfinden. Gibt es eine Entschuldigung für ein dermaßen unsensibles Verhalten? Nicht wirklich. Vielleicht fühlt sich der Freund Ihres Mannes als halb zur Familie gehörig und sieht daher keine Ursache für besondere Anstrengungen. Aber auch innerhalb einer Familie wird man ja mit kleinen Gesten der Dankbarkeit immer mal wieder das Zusammengehörigkeitsgefühl zementieren. Vielleicht sollten Sie dem unverschämten Gast mal vor Augen führen, dass die freundliche Bewirtung keine Selbstverständlichkeit ist.

Überlassen Sie es Ihrem Mann beim nächsten Mal, dem Freund und seiner Lebensgefährtin einen Drink anzubieten, und gehen Sie selber einfach mit eigenen Freunden aus. Wer Ihre Mühen nicht anerkennt, braucht auch nicht in den Genuss Ihrer Gesellschaft zu kommen. Vielleicht sollte Ihr Mann den Freund unter vier Augen mal darauf aufmerksam machen, dass es nicht in Ordnung ist, Ihre Kochkunst zu genießen, ohne Sie auch mal mit Worten und Taten zu loben. Wenn er das nicht will, bleibt Ihnen nur noch die Holzhammerpädagogik: Bringen Sie zum Ausdruck, dass Sie sich in dieser Form nicht weiter ausbeuten lassen. Wenn die Freundschaft leidet, macht das vielleicht auch nicht so viel. Bessere Freunde als solche, die sich gedankenlos durchfüttern lassen, finden Sie allemal.

Bitte schicken Sie Ihre Fragen mit der Post (Der Tagesspiegel, „Immer wieder sonntags“, 10876 Berlin) oder mailen Sie diese an:

meinefrage@tagesspiegel.de

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben