So kann’s gehen : Sind wir kleinlich oder er?

Immer wieder sonntagsfragen Sie Elisabeth Binder

Elisabeth Binder

Seit Jahren nehmen wir einmal im Jahr einen Verwandten im Auto mit zu einem Fest in Westdeutschland. Es ärgert uns, dass er sich weder an den Benzinkosten beteiligt noch auf andere Art dafür erkenntlich zeigt. Wir möchten ihn aber auch nicht darauf ansprechen und haben gehofft, dass er mal von selber drauf kommt, dass er schließlich Fahrkosten spart. Sind wir kleinlich oder ist er es?

Kürzlich hat mir eine Freundin ganz stolz erzählt, dass ihre Tochter, die von der Familie einer Mitschülerin in eine entfernte Stadt mitgenommen wurde, sich erkundigt hat, wie man sich da am besten revanchiere. Dass die Tochter auf so einen Gedanken überhaupt kommt, fand sie eindrucksvoll. Will sagen: selbstverständlich ist es nicht, dass eine Beteiligung angeboten wird. Leider nicht. Gerade unter Verwandten herrscht manchmal so ein unguter Schlendrian, der auf vermeintliche Vertrautheit zurückgeführt wird. Möglicherweise denkt der Verwandte, dass Sie es sich locker leisten können, ihn mitzunehmen, dass er schließlich keine Extrakosten verursacht, da Sie ja eh zu dem Fest fahren. Wahrscheinlicher noch ist es, dass er gar nichts denkt.

Die Tatsache, dass man verwandt ist, entbindet einen nicht von der Aufgabe, aufmerksam zu sein. Indem Sie ihn mitnehmen, erleichtern Sie dem Verwandten ja das Leben. Und Sie nehmen in Kauf, dass es etwas enger ist im Auto. Wenn man selber nicht auf den Cent achten müsste, kann man das Angebot einer Fahrtkostenbeteiligung großzügig ablehnen. Wenn der Fahrgast an der Raststätte mal die Rechnung übernimmt oder beim Abschied ein kleines Geschenk überreicht, ist das ganz bestimmt kein Fehler. Ist die eigene Haushaltskasse gerade knapp, sollte man die Benzinrechnung natürlich dritteln. In dem Fall können Sie auch ruhig mal mit dem Zaunpfahl winken.

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