So kann’s gehen : Soll ich mich per Mail bedanken?

Immer wieder sonntagsfragen Sie Elisabeth Binder

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Gesetzt den Fall, Sie beantworten meine Frage im Tagesspiegel – nehme ich das als selbstverständlich hin und freue mich, oder ist es ein Gebot der Höflichkeit, dass ich mich bei Ihnen per Mail bedanke? Persönlich würde ich den Dank bevorzugen, aber vielleicht müllt man damit das Postfach des Ansprechpartners zu.

Das Zumüllen von Mailpostfächern ist ein Problem, unter dem immer mehr Leute leiden, das immer mehr Zeit kostet. Es wäre schön, wenn es mehr Menschen gäbe, die, wie Sie, Problembewusstsein entwickelten. Tatsächlich verharren viele noch im ersten Stadium der digitalen Revolution. Sie setzen jeden Namen, der ihnen irgendwann mal untergekommen ist, auf den elektronischen Verteiler ihres Newsletters und schicken, weil’s ja nichts kostet, bergeweise Massenmails mit oft trivialen Inhalten und mit Speicherplatz fressenden Endlos-Anhängen.

Längst ist der Zeitpunkt erreicht, an dem man solches Tun als schlechtes Benehmen anprangern darf. Es kann kein Fehler sein, den Kategorischen Imperativ auch mal aufs Mailen anzuwenden: Ich mülle dir dein Fach nicht zu, und du schickst mir auch nur Mails, die wirklich wichtig sind.

Ihr Problembewusstsein kann ich nur loben. Aber während ich angesichts der immer schwerer zu bewältigenden Flut von Mails manchmal weinend vor dem Computer sitze, freue ich mich über eine ganz besondere Sorte von Mails immer noch. Wenn mir jemand persönlich und begründet ein Dankeschön schickt. Das soll jetzt keine Einladung sein. Ganz allgemein glaube ich, dass es zwar zu viele Mails in der Welt gibt, aber zu wenig Dankbarkeit. Und deswegen sollte man an den Ausdrucksformen von Dankbarkeit, egal in welchem Zusammenhang, zuallerletzt sparen. Die Veröffentlichung Ihrer Frage verlangt freilich nicht nach einem Extradank, im Gegenteil. Für gute Fragen wie diese bedanke ich mich hiermit auch analog – und nicht nur bei Ihnen.

Bitte schicken Sie Ihre Fragen mit der Post (Der Tagesspiegel, „Immer wieder sonntags“, 10876 Berlin) oder mailen Sie diese an:

meinefrage@tagesspiegel.de

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