So kann’s gehen : Sollen die Eltern die Freundin duzen?

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Neulich habe ich meine Partnerin (Mitte 30) meinen Eltern (Anfang 60) vorgestellt. Im Vorfeld habe ich (Mitte 30) abgesprochen, dass sich gleich alle duzen. Bei dem Treffen wirkte das aber dann doch etwas gezwungen. „Sie“ und „Nachname“ hätte ich aber auch krampfig gefunden. Was hätten Sie empfohlen?

Grundsätzlich ist es gut, wenn man vorab über komplizierte Situationen nachdenkt und versucht, Stolpersteine aus dem Weg zu räumen. In dem Fall waren Sie einfach ein bisschen zu schnell. Man muss Menschen Gelegenheit geben, warm zu werden miteinander. Wenn Ihr eigenes Herz für eine Frau glüht, heißt das nicht, dass die Eltern automatisch auch Feuer und Flamme sind. Sie kennen die Frau ja noch gar nicht.

Deshalb hätte ich in dem Fall die natürliche Distanz auch sprachlich aufrechterhalten. Ein „Sie“ macht es auf jeden Fall leichter, mit Fremdheit umzugehen. Bei der ersten Begegnung mit den künftigen Schwiegereltern, der künftigen Schwiegertochter wird diese Fremdheit unter Umständen noch verstärkt durch Aufgeregtheit oder den Ehrgeiz, einen guten Eindruck zu machen. Dann fällt man vielleicht versehentlich ins „Sie“ zurück, kann aber nicht gemeinsam drüber lachen, wie Kollegen es können, die sich nach Jahren des Zusammenarbeitens auf das „Du“ verständigen.

Bei einem ersten Treffen sollte man alle Beteiligten mit Vor- und Nachnamen einander vorstellen. Es wird sich natürlicher anfühlen, wenn man sich zunächst siezt. Wird der Abend gemütlich, spüren Sie eine Entkrampfung der Situation, dann erheben Sie das Glas und sagen, dass Sie es sehr schön fänden, wenn sich alle duzen würden. Wenn Sie merken, dass Eltern und Freundin noch etwas Zeit brauchen zum Auftauen, warten Sie eine passende Gelegenheit ab. Es gibt keinen Grund, in solchen Beziehungen etwas erzwingen oder beschleunigen zu wollen.

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