So kann’s gehen : Warum soll ich früh nicht anrufen?

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Am Wochenende habe ich zwischen 9 und 10 Uhr meistens Lust, Verwandten und Freunden einen mündlichen Gruß zukommen zu lassen und mich nach ihrem Ergehen zu erkundigen. Hin und wieder sagen mir Leute, dass sie gerade frühstücken und sich nicht stören lassen mögen. Aber später sind die meisten doch schon unterwegs.

Was wollen Sie mit dem Anruf denn bezwecken? Geht es Ihnen darum, eine Pflicht zu erledigen, die privaten Netzwerke zu pflegen oder anderen eine Freude zu machen? Letzteres passiert bestimmt nicht, wenn Sie die Freunde beim Frühstück stören. Das ist bei vielen Menschen, die man auch Morgenmuffel nennt, die einsilbigste Mahlzeit des Tages. Da reden sie nicht mal mit Anwesenden gerne, geschweige denn mit Abwesenden.

Ihnen mag das nicht früh erscheinen, vielleicht gehören Sie zu den beneidenswerten Zeitgenossen, die um sechs Uhr morgens mit einem fröhlichen Lied auf den Lippen aus dem Bett springen und nur darauf warten, dass endlich mal das Telefon klingelt. Dass Sie selbst ein Frühstücksgespräch nicht stört, heißt aber nicht, dass andere genauso empfinden müssen. Wer einmal sagt, er möchte nicht gestört werden um die Zeit, sollte dann auch nicht mehr angerufen werden. Selbst wenn es Ihnen nicht darum geht, Freude zu bereiten, es hilft den Netzwerken kaum, wenn man am Ende als Nervensäge gilt und gemieden wird. Es wird sicher eine Zeit geben, zu der ein Anruf angenehm ist. Fragen Sie doch einfach mal nach, wann Sie die Adressaten am besten erreichen können. Oder ermutigen Sie sie, sich ihrerseits bei Ihnen zu melden, wenn es gerade passt.

Wenn Sie sich da flexibel verhalten, werden Sie am Ende mehr geschätzt werden. Denn es geht Ihnen bei der Kontaktpflege hoffentlich nicht nur darum, eine ansonsten leere Stunde zu füllen.

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