So kann’s gehen : Was tun auf einer Schwulenparty?

Elisabeth Binder

Ich bin vor einiger Zeit mit meiner Freundin aus Süddeutschland nach Berlin gezogen. Nun ist sie von einem schwulen Arbeitskollegen zu einer Party eingeladen worden, bei der überwiegend homosexuelle Männer erwartet werden. Sie will unbedingt, dass ich mitkomme. Gibt es irgendwelche Verhaltensregeln?

Die wichtigste lautet: Seien Sie ganz Sie selbst. Sie haben doch keine Vorurteile, oder? Dann tun Sie bitte auch nicht so. Nichts nervt Schwule so sehr wie Heteros, die in ihrer Gegenwart völlig verkrampfen und dann auch noch heucheln, sie fänden die Atmosphäre obercool. Sie brauchen auch nicht heimlich Angst zu haben, angemacht zu werden. Warum sollte das jemand versuchen, wenn Sie sich von vornherein als Heterosexueller zu erkennen geben?

Es ist leider viel, viel schwerer, offen und unbefangen auf andere Menschen zuzugehen, als man gemeinhin denkt. Theoretisch tolerant zu sein, ist leicht. Es zählt aber nur die Praxis. Und die verlangt nach einem ganz entspannten Umgang mit möglicherweise heimlich doch noch vorhandenen Vorurteilen. Das fängt damit an, dass man sich diese eingesteht, damit man lernt, sachlich damit umzugehen.

Selbst wenn jemand versuchen würde, einen Flirt mit Ihnen zu starten: Was wäre so schlimm daran? Es reicht doch zu sagen: „Sorry, ich bin leider ein hoffnungsloser Hetero“, um die Sache zu beenden. Offenheit und Vorurteilsfreiheit sind erstrebenswerte Eigenschaften, die einem allerdings nicht unbedingt in den Schoß fallen.

Manchmal lohnt es sich, sie ein bisschen zu trainieren. Eine Großstadt bietet dazu unter Umständen mehr Möglichkeiten, als ein Dorf mit einem festen und überschaubaren Gefüge. Insofern sollten Sie die Einladung als Chance betrachten.

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