So kann’s gehen : Was tun mit den Streithennen?

Elisabeth Binder

Demnächst feiere ich einen runden Geburtstag. Zwei mir gleich nahestehende Freundinnen sind schon seit Jahren zerstritten. Da ich zu beiden Kontakt habe, bin ich unsicher in Bezug auf die Einladung. Soll ich vorwarnen?

Ihre Erwägungen sind einerseits sehr rücksichtsvoll. Sie wollen nicht, dass Ihre Freundinnen in eine unangenehme Situation geraten, dass das Fest zu eng ist für beide. Insofern wäre es natürlich nett von Ihnen, wenn Sie Ihrer Einladung eine entsprechende Warnmeldung hinzufügten. Trotzdem glaube ich fest, dass das ganz falsch wäre. Es gibt nämlich Dinge im Leben, die Rücksicht verdienen, und solche, die keinen Anspruch darauf haben. Ein jahrelang nicht beigelegter Streit gehört zu Letzteren. Dass man nicht immer in Harmonie miteinander leben kann, ist schon klar. Dass man Konflikte klären muss, zur Not auch mal laut, ebenso. Und ja, es ist erlaubt, eine Weile zu schmollen. Aber jahrelang keine Bereitschaft zur Versöhnung zeigen? Das kommt mir etwas übertrieben vor.

Es ist allerdings viel leichter, in einem allen bekannten Streit zu verharren, als über seinen Schatten zu springen und zu sagen: „Lasst uns das alles mal vergessen.“ Insofern bietet Ihr Geburtstag die ideale Chance, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden. Sobald die Streithennen aufeinandertreffen, könnten Sie sich dazustellen und sagen: „Übrigens, wenn ihr mir einen echten Geburtstagswunsch erfüllen wollt, vertragt euch doch bitte wieder.“ Damit hätten Sie der Versöhnung den roten Teppich ausgerollt.

Nur für den Fall, dass Ihnen das live zu stressig ist, könnten Sie ihnen Einladungskärtchen schicken, auf dem jeweils beide angeredet werden („Liebe Anja, liebe Angelika…“), und den Geburtstagswunsch schriftlich äußern. In dem Fall würde auch das Motiv stimmen: gesunder Egoismus statt falscher Rücksichtnahme.

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