So kann’s gehen : Was, wenn er fremdgeht?

Elisabeth Binder

Mein Freund wirkt in letzter Zeit so abwesend und unternimmt viel mehr allein als sonst. Manchmal habe ich Angst, dass er eine Affäre hat. Ich mag ihn aber nicht fragen, weil ich die Konsequenzen fürchte.

Stumm und passiv zu leiden, ist nie eine gute Lösung. Sprachlosigkeit verschlimmert Krisen eher. Deshalb plädiere ich grundsätzlich für so viel Offenheit und Ehrlichkeit, zu der man irgend fähig ist. Andererseits verstehe ich Ihre Bedenken. Liegt die Wahrheit erst mal auf dem Tisch, wird man sich zum Handeln genötigt sehen. Da kommt es manchmal zu vorschnellen Reaktionen. Es wäre ja schade, eine ansonsten harmonische Partnerschaft aufzugeben, nur weil in diesem Frühling die Sonne wie verrückt scheint und dabei die Hormone durchdrehen.

Bevor Sie auf den Tisch hauen und tränenreiche Aussprachen provozieren, sollten Sie vielleicht mal nach innen gehen. Was wäre denn der Super-GAU? Stellen Sie sich vor, Ihr Freund hätte eine andere Geliebte, und Sie sähen sich genötigt, ihn zu verlassen. Sie müssten andere Freundschaften vertiefen, schon um sich auszusprechen. Außerdem müssten Sie sich eigene Unternehmungen suchen, neuen Interessen nachgehen. Tun Sie das doch einfach so schon. Legen Sie sich zudem eine innere Großzügigkeit zu, und versuchen Sie zu verstehen, dass Männer (wie übrigens auch Frauen) nicht immer die Selbstbeherrschung aufbringen, die wünschenswert wäre, dass das in der Regel aber auch nicht den Untergang der Welt bedeutet. Affären sind ja meist nur in Ausnahmefällen richtig ernst.

Nach außen sollten Sie allerdings unbedingt Ihr Terrain verteidigen und, möglichst ohne zu sehr zu nerven, beharrlich gemeinsame Unternehmungen einfordern. Das ist eine schwierige Gratwanderung, die einem einiges abverlangt. Aber spätestens wenn die Herbststürme übers Land pfeifen, könnte offenbar werden, dass sich das Warten gelohnt hat.

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