So kann’s gehen : Wer sitzt neben wem?

Elisabeth Binder

Wir haben Goldene Hochzeit und feiern bei uns im Garten. Die Tischordnung bietet allerdings Zündstoff. Normalerweise sitzen Paare zusammen, Kinder neben den Eltern. Ich fände es aber besser, wenn die Kinder, die wir zum Glück häufig sehen, neben Gästen sitzen, die fremd oder Singles sind.

Die Auffassung, dass enge Verwandte zusammensitzen müssen, teile ich überhaupt nicht, im Gegenteil. Sitzordnungen zu einer Frage der Ehre zu machen, ist oft kontraproduktiv zum Unterhaltungswert eines Festes. Auch bei offiziellen Essen, bei Staatsbanketten zum Beispiel, sitzen Ehepartner grundsätzlich nicht zusammen. Am Ende des Abends haben sie sich umso mehr zu erzählen. Gerade Familienfeste sind ja auch dazu da, dass Teile der Verwandtschaft oder Bekanntschaft, die sich sonst nie sehen, Gelegenheit bekommen, sich besser kennenzulernen. Wenn man da über die lange Strecke eines Essens nur mit Menschen zusammenklebt, die man ohnehin oft sieht, ist es schade um die Zeit und die vergeudeten Möglichkeiten.

Ihre eigene Auffassung, Singles und Bekannte, die sich in dem Kreis fremd fühlen könnten, auszuzeichnen, indem man ihnen die Kinder zu Tischpartnern gibt, finde ich ausgesprochen umsichtig und vorbildlich. Die Kinder sind am besten vernetzt und können herausfinden, mit wem sie die Gäste später noch zusammenbringen. Ausnahmen sind natürlich immer möglich. Wenn zwei Verwandte unbedingt zusammensitzen wollen, obwohl Sie die eigentlich den Nachbarn zugedacht hatten als Gesprächspartner, kann man flexibel reagieren und die Tischkärtchen im letzten Moment noch austauschen. Wünschenswert ist es aber immer, Gäste zu haben, die offen sind und sich gern auf neue Gesprächspartner einlassen und auf all die Möglichkeiten, die damit verbunden sind.

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