So kann’s gehen : Wie bedanke ich mich?

Elisabeth Binder

Manchmal bedanke ich mich für ein Geschenk mit dem Satz „Das wäre doch nicht nötig gewesen“. Meine Freundin korrigiert mich daraufhin immer mit der Bemerkung, diese Formel würde auf den Geber abwertend wirken. Was meinen Sie?

Es fällt schwer, das ist mir schon klar, aber solche Floskeln sollte man nach Möglichkeit tatsächlich vermeiden. Das gelingt nicht immer, vor allem, weil man mit der Formulierung oft einen verlegenen Moment überspielen will. Man bekommt ein Geschenk und weiß nicht, ob man es überhaupt verdient, ob es nicht zu groß und zu kostbar ist, ob man sich dadurch verpflichtet fühlen muss. Vielfach kursiert nämlich der Eindruck, bei Geschenken handele es sich um Tauschgegenstände. Schenk ich dir eine Vase für zehn Euro, musst du mir auch etwas für zehn Euro schenken. Diese Haltung finde ich selber suboptimal.

Besser ist es, ein Geschenk als Luxus zu betrachten. Als etwas, das mehr Freude in die Welt bringt und zu nichts verpflichtet, das Sie also unbefangenen Herzens genießen können und sich durch nichts verdienen mussten. Mit dieser Einstellung suggerieren Sie, dass Ihre Freundin wahrhaft großzügig handelt und Sie selbst auch ein großzügiges Herz besitzen, das ohne Kalkül geben und nehmen kann.

Eine solche Haltung würde ich eher als aufwertend betrachten. Denn sie lässt das Geschenk nicht im Status einer notwendigen Gegengabe oder Belohnung für erwiesene Freundlichkeiten stecken, sondern erhebt es zum Ausdruck des Gebers, Ihnen nicht mehr und nicht weniger als eine Freude zu bereiten. Also Zuneigung auszudrücken. Das anzunehmen ist schwerer, als eine Belohnung oder eine Gegengabe anzunehmen, weil man sich für das Unnötige tatsächlich einfach nur bedanken kann. Beim Nötigen wäre der Dank eine Floskel, denn das Nötige hat man sich ja wie auch immer verdient.

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