So kann’s gehen : Wie beende ich ein altes Ritual?

von

Seit 35 Jahren treffen wir uns mit drei anderen Ehepaaren einmal im Monat in einem Restaurant. Früher sind wir auch mit den Kindern zusammen verreist. Mein Mann und ich wollen nun nicht mehr an den Treffen teilnehmen, wissen aber nicht, wie wir das begründen können, ohne die Freunde vor den Kopf zu stoßen.

Sie müssen ja nicht unbedingt sagen, dass Sie keine Lust mehr haben auf das alte Ritual und nie mehr kommen wollen. Starten Sie doch erst einmal einen Probelauf. Ein guter Anlass könnte die Rückkehr von einer Reise sein. Dann ist man doch öfter so gestimmt, dass man Dinge anders machen möchte. Sie könnten also geltend machen, dass Sie einfach mal eine Auszeit von den Treffen brauchen, zum Beispiel, weil Sie ein neues Hobby gefunden haben, das Zeit braucht, oder weil Sie eine neue Sprache lernen möchten. Ansagen mit Endgültigkeitsstatus werden heute doch gar nicht mehr erwartet. Vielleicht vermissen Sie die vertraute Runde nach einer Weile und möchten gern ohne Gesichtsverlust zurückkehren. Das ist immer einfacher, wenn man ein bestimmtes Projekt für beendet erklären kann, als wenn man vorher mit lautem Trommelwirbel alle Bande zerschnitten hat. Auf Freundschaften, die sich über 35 Jahre bewährt haben, soll man nicht ohne Not verzichten.

Vielleicht mögen Sie auch einfach andere Formen der Zusammenkunft vorschlagen. Gemeinsam neue Restaurants auszuprobieren oder Ausflüge ins Umland zu unternehmen kann sehr erfrischend sein. Wenn man sich beim immer gleichen Ritual nichts mehr zu sagen hat, sammelt man so neuen Gesprächsstoff.

Wer weiß, vielleicht stellt sich am Ende heraus, dass die Freunde unter ähnlichen Ermüdungserscheinungen leiden wie Sie selber und nur darauf gewartet haben, dass endlich einer das Signal zum Aufbruch gibt.

Bitte schicken Sie Ihre Fragen mit der Post (Der Tagesspiegel, „Immer wieder sonntags“, 10876 Berlin) oder mailen Sie diese an:

meinefrage@tagesspiegel.de

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben