So kann’s gehen : Wie beende ich einen Brief?

Immer wieder sonntags fragen Sie Elisabeth Binder: Mir fällt auf, dass selbst mir nicht sehr nah stehende Personen neuerdings ihren Namen nach dem Gruß unter E-Mails oder Briefen mit einem Possessivpronomen versehen. (Viele Grüße Deine/ Ihre …).

Elisabeth Binder



Es gibt in Deutschland insgesamt einen Trend zum herzlicheren Verhalten. Ein deutliches Zeichen dafür sind die vielen Umarmungen, die auch flüchtige Freunde und Bekannte heute austauschen. Man nimmt in einer globalen Welt von Reisen halt das Beste mit, was man in anderen Ländern sieht, und kopiert es zu Hause. Mediterrane Herzlichkeit wäre noch vor wenigen Jahrzehnten undenkbar gewesen in Deutschland. Damals galt ein Händedruck als ultimatives Zeugnis von Nähe, eine Umarmung oder gar ein Wangenkuss zur Begrüßung wäre als unerträgliche Überschreitung der Intimgrenze ausgelegt worden. Inzwischen gilt als stieselig, wer nicht mit ausgebreiteten Armen und gespitzten Lippen durch die Welt schwebt.

Auch die Brief-Etikette ist dem ständigen Wandel unterzogen. Die „lieben Grüße“, die heute weit verbreitet sind, wären früher ebenfalls von vielen als zu weit gehend empfunden worden. Eigentlich sind herzliche Umgangsformen auch viel schöner als unnötig formelle. Aber man sollte auch weder sich selbst noch anderen Gewalt antun. Wenn Sie einen Brief mit „Herzliche Grüße Deine Uta“ unterschreiben, bedeutet das sicher nicht, dass Sie sich damit gleich freiwillig in eine Leibeigenschaft begeben. Und es bedeutet auch keinerlei Verpflichtung für Sie, wenn ein Absender unterschreibt mit „Dein/ Ihr Jan“. Sie müssen ihn deswegen nicht gleich heiraten.

Auf diesen Ausdruck kann man aber jederzeit verzichten, wenn man sich nicht wohl fühlt mit der Formulierung. Authentisch zu sein zählt heute nämlich auch viel mehr als früher, wo man sich hinter steifen Floskeln verstecken konnte, ohne Sympathieeinbußen fürchten zu müssen.

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