So kann’s gehen : Wie bekomme ich Bücher zurück?

Immer wieder sonntags fragen Sie Elisabeth Binder: Vor drei Jahren habe ich einer Bekannten zwei Bücher geliehen, die sie mir trotz mehrfacher Erinnerungen nicht zurückgibt. Kürzlich sagte sie, ich könne mir die Bücher ja persönlich abholen anlässlich eines Besuchs. Dazu habe ich aber keine Lust, zumal sie 50 Kilometer weit entfernt wohnt.

Elisabeth Binder

Auf den ersten Blick wirkt das Verhalten Ihrer Bekannten unglaublich rüde. Bücher, die man sich ausgeliehen hat, muss man zurückgeben, keine Frage. Es gibt viele Leute mit löchrigem Gedächtnis, die das schon mal vergessen. Aber wiederholte Mahnungen kann und darf man nicht ignorieren. Man wirkt nicht nur leicht unehrlich und so, als wolle man sich das Buch einfach unter den Nagel reißen. Außerdem zeigt man sich undankbar, als wisse man es gar nicht zu schätzen, dass sich da ein Freund oder eine Freundin vorübergehend von einem Buch getrennt hat, um eine schöne Lese-Erfahrung zu teilen. Was unhöflich wirkt, ist manchmal freilich auch einfach fortgeschrittener Unbeholfenheit geschuldet. Vielleicht möchte sich die Bekannte ja wirklich gern mal wieder mit Ihnen unterhalten, vielleicht ist sie einsam und sehnt sich dringend nach Besuch. In dem Fall wäre es besser, wenn sie eine Einladung zum Essen aussprechen würde. Noch besser wäre es, wenn sie Ihnen anböte, die Bücher vorbeizubringen und Sie als Entschädigung für die lange Wartezeit in eine schöne Bar einladen würde. Wenn Sie beide wirklich nicht willens sind, den Weg auf sich zu nehmen, bleibt immer noch die Post. Dass man rasch ein Päckchen packen kann und als Ausgleich für die lange Wartezeit vielleicht noch ein drittes Buch dazulegt oder eine Schachtel Süßigkeiten, liegt so nahe, dass eigentlich jeder von selbst drauf kommen müsste.

Wenn Ihre Bekannte das nicht erkennt, müssen Sie wohl warten, bis Ihre Sehnsucht nach den Büchern stärker wird als die Unlust zu der kurzen Reise.

Bitte schicken Sie Ihre Fragen mit der Post (Der Tagesspiegel, „Immer wieder sonntags“, 10876 Berlin) oder mailen Sie an meinefrage@tagesspiegel.de

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