So kann’s gehen : Wie bremse ich seinen Redefluss?

Immer wieder sonntagsfragen Sie Elisabeth Binder

Elisabeth Binder

Vor einiger Zeit war ich beim Arzt in einer Privatpraxis und musste sehr lange warten, obwohl das Wartezimmer eigentlich gar nicht voll war. Als ich schließlich dran war, hat der Arzt sich sehr viel Zeit genommen, indem er mir alles ausführlichst erläuterte. Er erzählte auch von Patienten, die ein ähnliches (kleines!) Problem hatten wie ich und später sehr ernsthaft krank wurden. Wie stoppt man so einen Redefluss?

Sicher haben auch Ärzte mal das ganz normale menschliche Bedürfnis, sich ein bisschen zu profilieren. Verbreitet ist ja eher das Problem, dass viel zu wenig Zeit da ist. Normalerweise würde ich also immer sagen, dass es ein gutes Zeichen ist, wenn ein Arzt sich Zeit nimmt. Niemand aber wartet gern lange und niemand möchte sich unnötig Angst machen lassen, nur um vorgeführt zu bekommen, was der Arzt alles schon erlebt hat.

Glücklich der Doktor, der selbstbewusste Sprechstundenhilfen hat, die ihn zur Ordnung rufen, wenn sein Zeit-Management zu wünschen übrig lässt. Ich habe eine Ärztin gefragt, wie sie selber sich ein ideales Verhalten in einem solchen Fall vorstellen würde. Sie riet dazu, ganz offen zu sein. Am besten solle man sagen, dass die lange Wartezeit künftige Besuche wegen eigener zeitlicher Begrenzungen leider unmöglich machen würde. Auch solle man deutlich sagen, dass es einem nichts ausmachen würde, wenn die eigentliche Beratungszeit etwas kürzer ausfallen würde und dass man auch nicht sämtliche finsteren Zukunftsszenarien kennen möchte.

Es kann dem Arzt ja auch schmeicheln, wenn ihm jemand uneingeschränktes Vertrauen bekundet. Wahrscheinlich hat der Arzt es gar nicht bemerkt, dass er gerade ein überdurchschnittliches Redebedürfnis ausgelebt hat. Erst wenn er drauf gestoßen wird, fällt ihm vielleicht auf, dass die Sprechstunde nicht die Zeit und der Ort dafür ist.

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