So kann’s gehen : Wie entgehe ich dem Küsschen?

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Was tut man auf dem Golfplatz, wenn man zum ersten Mal ein männliches Wesen trifft, das einen konsequent duzt und sich auf dem 18. Grün auch noch mit Küsschen verabschieden will, obwohl man selber ebenso konsequent zurückgesiezt hat?

Das hört sich fast nach Machtkampf zwischen etikettebewusster Preußin und rheinischer Frohnatur an. Es gibt Situationen, von denen manche Menschen denken, die sind auf „Du“ geeicht. Manche Reisen gehören dazu. Und gern auch sportliche Aktivitäten. Da man sich bei Freizeitbeschäftigungen nicht so gern die gute Laune verderben lässt und auch nicht immer in Kampfstimmung ist, tendieren manche Menschen dazu, sich vorübergehend darauf einzulassen. Ihre Strategie, konsequent zu siezen, halte ich zunächst einmal für gut. Eigentlich müsste der Golfpartner dann von sich aus merken, dass voreilige Vertraulichkeiten nicht erwünscht sind, und diskret zum „Sie“ übergehen. Wenn das penetrante Duzen ernsthaft nervt, hilft vielleicht doch ein charmanter Wink mit dem Zaunpfahl. „Entschuldigung, aber ich brauche immer ein bisschen Zeit, um warm zu werden. Vielleicht bleiben wir erstmal beim Sie, und finden später einen Anlass, zum Du überzugehen.“ Die Gefahr, dass er selber den Anlass zum Duzen schon beim Ende der Partie findet, besteht zwar. Aber dann könnten Sie halt sagen, dass es immer noch ein bisschen zu früh ist. Gegen unerwünschte Küsschen helfen in der Regel eine entschlossen zum Abschiedsgruß ausgestreckte Hand mit durchgedrücktem Ellbogen und ein extrastrahlendes Lächeln.

Die Golfpartner wollen vielleicht gar nicht plump vertraulich, sondern nur freundlich und kumpelhaft sein. Es sollte aber jedem klar sein, dass Menschen unterschiedlich ticken, was ein als angenehm empfundenes Nähe-Distanz-Verhältnis betrifft.

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