So kann’s gehen : Wie erziehe ich die Kollegin?

Immer wieder sonntagsfragen Sie Elisabeth Binder

Elisabeth Binder

Es ist mir unangenehm, dass eine Kollegin sich nach der Toilette nie die Hände wäscht. Mehrfach stand ich am Waschbecken, und sie verließ die Kabine mit einem kurzen Gruß. Seitdem bediene ich mich nicht mehr aus den für uns alle bereitstehenden Keksschalen und benutze auch die Teeküche sehr ungern. Ich kann sie aber doch unmöglich darauf ansprechen.

Wenn die Situation noch mal eintritt, sollten Sie sich mit dem Hinweis: „Ich bin schon fertig und lass das Wasser einfach laufen“, blitzschnell vom Waschbecken zurückziehen. Dann fühlt sie sich vielleicht animiert, sich die Hände zu waschen. Sie kann ja schlecht sagen: „Nicht nötig, ich wasch mir nicht die Hände.“ Und wenn Sie es tatsächlich nicht tut, haben Sie immerhin einen Aufhänger, die Kollegin zu fragen, ob sie nicht Angst vor Krankheit habe.

Dass Sie den Griff in gemeinsame Keksschüsseln scheuen, kann ich gut verstehen. Es gibt so viel Studien, die erwiesen haben, dass nichts so gut vor Grippe, Erkältungen und allen möglichen anderen Krankheiten schützt, wie häufiges und gründliches Händewaschen, sodass Sie beim gemeinsamen Kaffeetrinken oder in der Kantine mal von sich aus das Thema ansprechen könnten, leichthin, mehr als Small Talk. Wenn Sie mit der Kollegin allein sind, könnten Sie zum Beispiel sagen, dass Sie selber hoffentlich in letzter Zeit nicht zu oft das Waschbecken blockiert hätten. Die vielen Artikel über die Schutzfunktion des Händewaschens im Zusammenhang mit der letzten Grippeepidemie hätten Sie einfach sensibilisiert. Und da man sich die Hände mindestens 20 Sekunden waschen soll, bräuchten Sie selber jetzt eben etwas länger. Sich auf Dauer in stummes Leiden zu fügen, halte ich für keine gute Lösung. Das schürt nur überflüssige Aggressionen.

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