So kann’s gehen : Wie esse ich Konferenzhäppchen?

Elisabeth Binder

Aus beruflichen Gründen muss ich häufiger an Konferenzen teilnehmen. Es ist mir wichtig, möglichst viele Kontakte herzustellen. In den Pausen werden manchmal Häppchen gereicht, aber ich verzichte meistens, weil ich Angst habe, mit vollem Mund zu reden oder ungeschickt abzubeißen. Oder ist das in Ordnung, da ja alle das gleiche Problem haben?

Leider ist es immer noch so, dass viele Caterer sich nicht durch besonderes Einfühlungsvermögen auszeichnen. Da werden tatsächlich zähe Baguettescheiben mit sehnigem Schinken belegt und mit Petersilie gekrönt, da gibt es kleine Roastbeefgebirge mit Mayonnaise drauf und darüber noch eine bröselige Röstzwiebelhaube. Wenn Sie wirklich hungrig sind, brauchen Sie nicht zu verzichten. Es geht den anderen ja nicht besser. Versuchen Sie, mithilfe einer vor den Mund gehaltenen Serviette und entschlossenem Zubeißen diese Prüfung mit einiger Anmut zu bestehen.

Es macht Sie nicht unbedingt sympathischer, wenn Sie grundsätzlich als perfekte Asketin auftreten. Kleine Ungeschicklichkeiten wirken auf andere eher lustig und menschlich als peinlich. Lassen Sie sich nur bitte nicht so unter Druck setzen, dass Sie mit vollem Mund reden. Da ist die Gefahr groß, dass es ein spuckendes, unappetitliches Reden wird. Lieber kurz die Augen verdrehen, auf den Mund deuten und einen Moment abwarten. Ein halbwegs aufgeweckter Gesprächspartner wird dann seinerseits das Reden übernehmen.

Inzwischen sind die ersten Häppchen-Hersteller dazu übergegangen, nur noch mundgerechte Snacks bereitzustellen, die man leicht kauen kann und mit einem Bissen hinunterbekommt. Ganz ausgekochte Caterer haben sogar entdeckt, dass es unhygienisch ist, bei der vielen Händeschüttelei die Häppchen mit den Fingern anzufassen, und bieten löblicherweise nur noch Snacks an, in denen Zahnstocher oder kleine Plastiksticks stecken.

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