So kann’s gehen : Wie gehe ich mit Störenfrieden um?

Immer wieder sonntags fragen Sie Elisabeth Binder

Elisabeth Binder

In der Komischen Oper sah ich kürzlich eine tolle Aufführung, konnte sie aber nicht genießen, weil sich während einer wunderschönen Arie zwei Besucher laut um ihre Sitzplätze stritten und außerdem vor uns sitzende Leute jede dritte Szene mit ihren Kommentaren versahen. Um nicht noch mehr zu stören, habe ich nichts gesagt, habe mich aber sehr geärgert.

Sie müssen die Musik wirklich lieben. In so einer Situation den Ärger herunterzuschlucken und nichts zu sagen, verlangt ein enormes Maß an Disziplin. Ob ich selber in so einem Moment der Versuchung widerstehen könnte, handgreiflich zu werden? Keine Ahnung. Es wäre vielleicht einen Versuch wert, ihnen auf die Schulter zu tippen und mit finsterer Miene stumm kundzutun, dass man sich extrem gestört fühlt. Natürlich ist aber der Impuls genau richtig, sich selber friedlich zu verhalten, um nicht noch mehr Lärm zu verursachen. Spätestens in der Pause oder nach dem letzten Vorhang könnte man den Störern dann aber doch mal kurz die Meinung geigen.

Es ist erstaunlich, dass Leute, die dermaßen unsensibel sind, überhaupt in die Oper gehen. Wer seinen Platz zu Beginn der Aufführung nicht gefunden hat, ist in jedem Fall im Unrecht, weil er zu spät dran ist. Er sollte sich so leise und unauffällig wie möglich da einrichten, wo es gerade möglich ist. Allenfalls darf er den Applaus nutzen, um sich zu seinem Platz durchzuzwängen. Kommentare abzugeben während der Aufführung, das geht natürlich gar nicht. Bei groben Klötzen, wie den von Ihnen beschriebenen, wirkt am besten der Hinweis aufs Geld. „Wir haben teure Karten gekauft, und Sie haben uns den Operngenuss komplett ruiniert durch den unnötigen Krach, den Sie gemacht haben“, wäre ein richtiger Hinweis. Da man zum Erwerb von Opernkarten keine Eignungsprüfung ablegen muss, ist hier schon ein bisschen pädagogische Selbsthilfe seitens der fortgeschrittenen Besucher gefragt.

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