So kann’s gehen : Wie helfe ich der Trauernden?

Immer wieder sonntags fragen Sie Elisabeth Binder. Heute: Wie helfe ich einer trauernden Witwe?

Elisabeth Binder

Der Mann einer Freundin ist sehr plötzlich und noch jung gestorben. Darunter leidet sie natürlich sehr. Hinzu kommt, dass einige übereifrige Bekannte sie mit ständigen Hilfeangeboten nerven und ihr vorschreiben wollen, was gut für sie ist. Eigentlich ist es ja gut, wenn Leute sich kümmern, aber das finde ich wirklich zu viel. Einmischen mag ich mich aber auch nicht.



Im Umgang mit Trauernden das richtige Maß zu finden, ist sehr schwer. Viele Menschen ziehen sich von den Betroffenen zurück, weil Tod und Unglück in weiten Teilen unserer Gesellschaft als peinlich gelten. Da zumindest von Ersterem jeder irgendwann betroffen sein wird, ist das zwar widersinnig, aber anscheinend trotzdem nicht zu ändern.

Wer vorsichtig Hilfe anbietet und unter Aufbietung größtmöglicher Sensibilität versucht, die Reaktionen und Bedürfnisse des Trauernden in dessen Sinn zu deuten, handelt meist wirklich selbstlos. Wer von vornherein glaubt, selbst am besten zu wissen, was dem Trauernden guttut, und auf brachiale Art seine Hilfe aufdrängt, verhält sich eher egoistisch und ist möglicherweise geleitet von dem Bedürfnis, das eigene Selbstwertgefühl aufzurichten. Eifer ist nie gut, aber unter solchen Umständen kann er geradezu schädlich sein, weil die Betroffenen ihre ganze Kraft zur Bewältigung der Trauer brauchen.

Dass Sie sich nicht einmischen mögen, ist schon verständlich. Aber wäre es nicht eine Erwägung wert, die Freundin zu fragen, ob sie sich bedrängt fühlt, und ihr die nervenden Bekannten vom Hals zu schaffen, wenn das der Fall ist? Das können Sie ja ganz freundlich tun, indem Sie in einem diskreten Telefonat mit dem Anführer der manischen Helfer deutlich machen, dass Ihre Freundin erst mal Ruhe braucht und sich später, wenn im Freundeskreis die ersten Schockwellen abgeklungen sind und Einsamkeit sich breitmacht, über Hilfe und Gesellschaft viel mehr freuen würde.

Bitte schicken Sie Ihre Fragen mit der Post (Der Tagesspiegel, „Immer wieder sonntags“, 10876 Berlin) oder mailen Sie diese an:

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