So kann’s gehen : Wie kann ich gelassener reagieren?

Elisabeth Binder

Manchmal ist es gar nicht so sehr die Redewendung selbst, die nervt, sondern die Assoziationen, die damit verbunden sind. Am besten machen Sie sich einmal eine kleine Liste mit den Namen der Leute, von denen Sie diese Formulierung am häufigsten zu hören bekommen. Und vielleicht fällt ihnen ja auch noch der Name eines Menschen ein, von dem Sie diese zu allererst gehört haben, und auf den Sie möglicherweise ohnehin gereizt reagieren. Das Unterbewusstsein speichert oft Situationen, über die wir uns gar nicht im Klaren sind. Denn so kränkend ist die Redewendung ja auch wieder nicht ist. Sie sagen selber, dass sie wohl nicht böse gemeint ist. Man darf auch nicht alles wörtlich nehmen. Fast jeder hat Marotten, wahrscheinlich sind auch Sie nicht ganz ohne. So was muss man einfach aushalten.

Wenn Sie sich allerdings gefoltert fühlen, sollten Sie Ihre Beziehung zu dem Pass-mal-auf-Sager überdenken. Vielleicht ist der Satz nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt, vielleicht fühlen Sie sich in anderer Hinsicht bevormundet oder gegängelt. Oft ist es aber auch Unsicherheit, die sich in überflüssigen Formulierungen manifestiert und uns unter Umständen gegen einen Menschen aufbringt, der das gar nicht verdient, sondern der eher Bestärkung braucht und sogar verdient. Bevor man sich also selber in die Ecke gedrängt fühlt, sollte man mal überlegen, ob der andere wirklich überheblich ist oder im Kern ganz schwach. Auch das kann an der Tonlage eines zwischenmenschlichen Austausches schon ganz viel ändern.

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Neuerdings höre ich ganz oft die Redewendung „Pass mal auf…“. Wie kann ich mich dieses sicher nicht böse gemeinten Anfangs erwehren? Manchmal antworte ich „Hört dir sonst keiner zu, dass du mich extra aufs Aufpassen hinweisen musst?“ Es nervt. Was kann ich tun, um es nicht mehr zu hören?

— Petra, aufpassend

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