So kann’s gehen : Wie können wir den Enkeln helfen?

Immer wieder sonntags fragen Sie Elisabeth Binder

Elisabeth Binder

Der Vater unserer Enkelkinder hat unsere Tochter verlassen. Mit dem eigenen Vater, der mit seiner zweiten Frau zusammenlebt, hat er auch den Kontakt abgebrochen. Wir haben diesen Großvater väterlicherseits auf die Probleme unserer alleinerziehenden Tochter hingewiesen, die nur wir derzeit unterstützen. Haben Enkel einen Anspruch auf Großeltern, und wie ließe sich der durchsetzen?



Liebe kann man nicht erzwingen. Das trifft auf alle Beziehungen zwischen Menschen zu. Insofern finde ich schon Ihre Wortwahl etwas kontraproduktiv. Die Frage nach Anspruch und Durchsetzung führt im Zwischenmenschlichen selten zu einem guten Ergebnis. Und in diesem Fall scheint es ja einen doppelten Knoten zu geben. Das kann aber auch eine Chance sein. Vielleicht ist der Großvater nur unsicher und will den Graben zu seinem Sohn nicht noch vertiefen.

Warum laden Sie ihn nicht einfach mal zum Essen oder zum Kaffeetrinken ein zusammen mit der Tochter und den Enkelkindern? Sie können in der Einladung ja schon deutlich machen, dass die Tatsache, dass sein Sohn Ihre Tochter verlassen hat, für Sie kein Grund ist, schlechte Gefühle zu hegen. Die Tochter könnte im Übrigen mit den Kindern verspätet erscheinen, so dass sich vielleicht beim Aperitif die Gelegenheit ergibt, mal auf den Hilfebedarf hinzuweisen. Das darf nur nicht vorwurfsvoll wirken.

Vielleicht entstehen so zumindest erste Sympathien. Könnte ja auch sein, dass Sie in der zweiten Frau des Großvaters eine unverhoffte Verbündete finden. Wenn die Stimmung grundsätzlich gut ist, können Sie bei dem Essen ein gemeinsames Projekt aufbringen, einen Ausflug mit den Kindern. Ist erst mal das Eis gebrochen und eine grundsätzliche Bindung aufgebaut, ergibt sich bestimmt auch die Möglichkeit, mal um Hilfe beim Babysitten oder der Hausaufgabenhilfe zu bitten.

Bitte schicken Sie Ihre Fragen mit der Post (Der Tagesspiegel, „Immer wieder sonntags“, 10876 Berlin) oder mailen Sie diese an:

meinefrage@tagesspiegel.de

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