So kann’s gehen : Wie komme ich auf meinen Platz?

Elisabeth Binder

Bei unseren Konzert-, Theater- oder Opernbesuchen taucht regelmäßig die Frage auf, wie man korrekt durch die Reihe geht, in der bereits andere Besucher Platz genommen haben. Dreht man den bereits Anwesenden den Rücken oder das Gesicht zu? Beides hat Vor- und Nachteile.

Es ist auf jeden Fall höflich, sich zu entschuldigen, wenn man jemanden wieder aufscheucht, der schon sitzt. Insofern würde ich denken, es ist in jedem Fall besser, demjenigen das Gesicht zuzuwenden. Natürlich ärgert man sich manchmal auch, wenn ausgerechnet die Besitzer der Randplätze sich zuallererst niederlassen, die Beine ausstrecken und dann ein Geschlängel und Gedrängel verursachen. Sie könnten ja auch einen Moment am Rande der Reihe stehen bleiben und warten, bis sich die mittleren Plätze gefüllt haben.

Andererseits sind manche Konzertbesucher darauf spezialisiert, auf den allerletzten Drücker zu kommen. Wer später kommt, entschuldigt sich für die Umstände, die er den anderen bereitet. Es ist in jedem Fall freundlich, wenn die bereits Sitzenden sich noch mal kurz erheben, damit die Passanten mühelos vorbeikommen und das „Entschuldigung, bitte“ mit einem freundlich lächelnden „Sehr gerne“ quittieren. Wenn Sie denen, die Sie passieren, den Rücken zuwenden, laufen Sie immer Gefahr, ihnen auf die Füße zu latschen, einen Schuhabdruck auf tief hängenden Stolas zu hinterlassen oder ein feines Abendtäschchen runterzureißen. Sie signalisieren, dass Sie mit den Umsitzenden nichts zu tun haben wollen. Das mag zwar grundsätzlich so sein. Andererseits ist ein Konzert immer auch ein Gemeinschaftserlebnis. So wie an diesem einen Abend wird kein Publikum das je wieder hören. Das muss einen mit den anderen nicht so verbinden, dass man in Small-Talk-Arien ausbricht oder gar Telefonnummern tauscht. Es sollte einen aber motivieren, mit kleinen Gesten zu einer guten Atmosphäre beizutragen.

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