So kann’s gehen : Wie lehne ich Alkohol ab?

Elisabeth Binder

Alkohol schmeckt mir gar nicht. Aber man bekommt ihn überall angeboten, bei Geburtstagen, Geschäftsessen etc. Wenn ich „Nein danke“ sage, habe ich manchmal den Eindruck, die anderen halten mich für eine Anonyme Alkoholikerin. Wie kann ich das verhindern? Ich habe kein Problem mit Alkohol, mag ihn nur nicht.

Eigentlich sind Sie zu beneiden und haben wirklich allen Grund, mit großem Selbstbewusstsein aufzutreten. Sie laufen nie Gefahr, sich lächerlich zu machen, indem Sie mit vernuschelter Stimme reden oder Binsenweisheiten laut und erregt verkünden. Nie geben Sie Geheimnisse von sich preis, die Sie nie mehr zurückholen können. Und natürlich sind Sie auch nie so enthemmt, dass Sie über andere in einer Weise lästern, die Sie am nächsten Morgen bereuen. Sie bleiben länger faltenfrei. Muss man Angst haben, sich einem falschen Verdacht auszusetzen? Vor trockenen Alkoholikern kann man doch nur Achtung haben. In den Alkoholismus kann man in einer Gesellschaft, die mit Alkohol so freizügig umgeht, dass sie Ängste wie die Ihren produziert, leicht hineinrutschen. Trockene Alkoholiker sind ja gerade keine haltlosen Geschöpfe, sondern Menschen, die eine Krise überwunden haben.

Trotzdem kann ich es verstehen, wenn Sie nicht in diesen Geruch kommen wollen. Man muss sich gar nicht unbedingt originelle Formulierungen ausdenken, um den eigenen Standpunkt klarzumachen. Ehrlichkeit ist immer entwaffnend. „Ich weiß, es klingt komisch, aber mir schmecken alkoholfreie Getränke einfach besser. Wenn ich darf, stoße ich mit Sprudel an, aber dafür umso herzlicher.“ Das ist simpel und klar. Gute Gastgeber halten eh immer eine Auswahl diverser Getränke bereit. Längst nicht alle nötigen ihre Gäste dazu, Alkohol zu trinken. In diesen gesundheitsbewussten Zeiten würde das geradezu altmodisch wirken.

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