So kann’s gehen : Wie stelle ich den Doktor vor?

Elisabeth Binder

Wie stelle ich auf einer privaten Feier Freunde mit Doktortitel vor? Mit oder ohne Titel?

Private Feiern laden zur Lässigkeit ein, also würde man spontan sagen, dass der Name oder sogar der Vorname reicht. Da man aber nie weiß, wer auf seinen hart erarbeiteten Titel Wert legt und wer nicht, ist es immer ratsam, vorsichtig zu sein. Man muss ja nicht bierernst sagen: „Das ist der Herr Doktor sowieso …“ oder „Darf ich dir Frau Doktor X vorstellen“. Aber wenn man leichthin sagt: „Kennst du schon Doktor Richard Weiler, den wir hier alle Richie nennen?“, ist die Vollständigkeit gewahrt. Man gibt damit ja auch Infos weiter und unter Umständen Anlass zu Gesprächsstoff. Als Nächstes kommt dann „Ach, sind Sie Arzt?“, worauf vielleicht folgt: „Nein, Ethnologe“, und schon ist die schönste Unterhaltung im Gang. In Deutschland ist es nach wie vor nicht üblich, allzu schnell nach dem Beruf zu fragen. Ist aber erstmal jemand mit seinem Titel vorgestellt worden, ist dieses Eis auf jeden Fall gebrochen. Insofern schlägt man mehrere Fliegen mit einer Klappe, wenn man den Titel am Anfang einmal nennt. Dem unter Umständen gut verborgenen Stolz des Trägers ist Tribut gezollt und ein erster Beitrag zum Party-Talk geleistet.

Je nachdem, um welche Gesellschaft es sich handelt, muss man unter Umständen noch ein bisschen Regie führen bei den weiteren Anreden. Wenn es plötzlich ganz furchtbar doktort, sollte man sich an den vorgestellten Freund mit der Frage wenden: „Es ist doch hoffentlich okay, wenn wir uns ohne Titel anreden?“ Manchmal ergibt es sich auch, dass sich auf einer Party plötzlich alle duzen. Auch wenn man normalerweise seinen Nachnamen bevorzugt, vergibt man sich nicht viel, an einem allgemeinen Duz-Gelage teilzunehmen. Trifft man die Partybekanntschaften in einem anderen Zusammenhang wieder, kann man, ohne unhöflich zu sein, unmerklich wieder zum Sie übergehen.

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